TierSpiegel Ihr Online-Magazin & Marktplatz rund um unsere Haustiere
  • Zugriffe: 6.550
Bewertung: 0 / 5
(0)

Der Einfluss arabischer Blutlinien in die Sportpferdezucht

Shagya-Araber-Hengst - Foto © M.Groger

Ohne den Einfluss verschiedener arabischer Blutlinien in den heutigen Reitpferdezuchten wäre die Sportpferdezucht um vieles ärmer! Als Beispiel seien hier nur einige genannt, welche in den Verbänden sehr viel Einfluss hinterlassen haben:

  • Gazal (Sh) geb. 1956, LGS 248.108 DM, Ostfr., Trakehner, Hannover, Oldenburg
  • Ramzes (AA) geb. 1937, imp.1949, Schimmel, Stm. 166 cm, v. Rittersporn xx a.d. Jordi (Sh) gezogen v. Maria Gräfin Plater-Zyberk, Wojcieszków / PL, LGS 40.187 DM, Holstein, Westfalen, Trakehner, 11 gekörte Söhne

Ramzes x wurde 1949 aus Polen nach Deutschland an Herrn Clemens Freiherr von Nagel verkauft. Dieser stellte ihn dem Springreiter Hans-Heinrich Brinkmann als Springpferd zur Verfügung und benutzte ihn gleichzeitig auf seinem Gestüt Vornholz in Westfalen zur Zucht. Er stellte sich als reinerbiger Schimmel heraus. Vornholz avancierte damit auch heute noch zur bedeutesten Zuchtstätte Deutschlands, obwohl es seit 1979 nicht mehr existiert. 1951 und 1952 wirkte er auf der Holsteiner Landgestütsstation Neuendorf. In Westfalen hinterließ er den bedeutenden Radetzky v. Ramzes a.d. Malta v. Oxyd geb. 1951, rechter Bruder von Mariano im Gestüt Vornholz, der sich über Remus I - Romulus I - Romadur II prägnant vererbte. Aus dieser Linie stammen die erfolgreichen Turnierpferde Rembrandt, Olympiade, Dressur 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona unter Nicole Uphoff. Das sich die holsteinischen Pferde mehrheitlich im Springsport und die westfälischen Pferde im Dressursport durchsetzten, geht bis in die heutige Zeit. Ramzes x verstarb 1965.

  • Flaneur (Trakehner) geb.1965 v. Maharadscha a.d. Flocke - ist über seinen Vater Maharadscha / Famulus ein Enkel des Vollblutarabers Fetysz ox
  • Burnus (AA) geb. 1948 v. Lapis (Sh) a.d. 68 Fenek V (AA)

Burnus bewährte sich im Vielseitigkeitsstall des DOKR in Warendorf unter Dr. Klimke. 1956 erhielt er die Anerkennung durch den Trakehnerverband (Dr. Schilke). Burnus brachte der Trakehnerzucht 45 eingetragene Zuchtstuten und 3 gekörte Söhne: Alarm, Marakes und Habicht. Burnus war bekannt für seine Nachkommen im Leistungssport und war fünf Jahre der führende Vererber von eingetragenen Turnierpferden. Sein Sohn Habicht brachte bedeutende Nachzucht in der Trakehnerzucht, die bis zu Windwurf reicht und das Blut des Shagya-Hengstes Lapis weiter verbreitet.

  • Inshallah (AA) geb. 1968, imp.1972, LGS 1.351.190 DM, Hannover, Oldenburg
  • Czardas (Sh) geb. 1967, LGS 94.364 DM, Hannover, 5 gekörte Söhne
  • Gotthard geb. 1949, Schimmel, Stm. 166 cm, v. Goldfisch II a.d. Ampa, Hannover - führt über seine Mutter Ampa das Blut des Vollblutaraberhengstes Amurath ox. Er brachte während seines Lebens 35 gekörte Söhne. Seine ruhmreichste Zeit erlebte der Hengst erst auf der Deckstation Häningsen, nachdem seine Kinder im Springsport Furore machten und Nachzucht von Weltformat brachte.
  • Matcho (AA) geb. 1978, LGS 584.495 DM, v. Pancho II a.d. Karikal IV, Hannover

Diese Reihe lässt sich bis heute ergänzen. Unter anderem über den Shagya-Araberhengst Bajar (O`Bajan db 1885)

BajarShagya-Araberhengst Bajar - Foto © Manfred Hansen

Er wurde am 5. Mai 1968 bei Wilfried Kolmann, Hamburg, geboren, der die Stute Suakim von dem Züchter Anton ter Hazeborg in Wankendorf erwarb. Er verkaufte Bajar später an Fritz Knebusch in Kellinghusen. Dieser stellte ihn 1972 zur Körung vor. (lt. Dr. Frielinghaus) Bajar war das Produkt einer, bei Shagya-Arabern zumeist fragwürdigen, Inzestpaarung zwischen den Vollgeschwistern Gazelle A-1138, geb.1961 und Suakim A-1161, geb. 1963. Sein Vater Suakim war ein Hengst von knappem Rahmen und spitzer Kruppe und nicht gerade eine Schönheit. Er besaß den Kopf, der in der Vererbung des sehr viel schöneren Bajar immer wieder einmal anklingt. Woher er kam, ist ein Rätsel, denn seine Eltern und Großeltern besaßen ihn nicht. Seine Mutter Gazelle, geb.1961, war eine, bis auf einen wenig profilierten Widerrist, harmonische Stute mittlerer Größe, mit einem besseren arabischen Ausdruck als Suakim. Das beweist aber auch, dass die außerordentlichen, inneren Werte, Leistungsbegabung und Charakterstärke, welches die beiden Geschwister ihrem Sohn Bajar mitgegeben haben, durchaus nicht im Exterieur der Eltern abzulesen waren.

1972 erhielt Bajar das Prädikat „gekört von der Landwirtschaftskammer Schleswig Holstein in Neumünster“, wurde beim Pferde Stammbuch Schleswig Holstein / Hamburg eingetragen und erhielt die Anerkennung für Reitponys. Später folgte die Anerkennung durch den VZAP e.V. für Araber.

Bei der Körung verfügte er über ein Stockmaß von 158 cm. Er legte die Hengstleistungsprüfung in Medingen als Reservesieger, unter anderem gegen Trakehner und Warmblüter, ab. Seine Eigenleistung bestätigte er später auch auf zahlreichen Turnieren, wo er in Springprüfungen gegen Warmblüter bis zur Klasse M siegte.

Sein erster Deckeinsatz erfolgte im Jahr 1973. Bajar deckte im ersten Jahr 51, im zweiten Jahr 72, im darauffolgenden Jahr 124 Stuten. Er bekam seine ersten 2! Stuten mit Abstammungsnachweis im Jahr 1974. Alle davor bedeckten Stuten hatten keinen Nachweis ihrer Abstammung. Es ist umso erstaunlicher, dass seine Nachzucht sich dermaßen stark in Springprüfungen durchsetzte. Die Züchter im Bereich Schleswig - Holstein wurden immer aufmerksamer und setzten Bajar konstant ein. Die erste Shagya Stute wurde 1975 zur Bedeckung gebracht. Von da an ging es auch in diesem Bereich stetig voran.

Auch der Trakehner Verband wurde auf diesen Hengst 1976 aufmerksam. Er hatte nun einen regen Zuspruch auch von Warmblütern, so dass eine große Menge an arabischen Halbblütern (Partbred) gezüchtet wurden.

1986 wurde der arabische Halbblüter Bacchus geboren und 1991 in Neumünster vom Holsteiner Verband angekauft, gekört und anerkannt.

BacchusArabisches Halbblut Bacchus - Foto © Pferdestammbuch Schleswig Holstein

Bachus wurde von Holstein 1991, 5-jährig, zum Bundeschampionat für Springpferde in München geschickt und siegte dort mit der Wertnote 9,2. Er wurde auf Grund eines Fehlers des Reiters aber disqualifiziert (er übersprang eine Fahne am Sprung), sorgte aber auf Grund der extrem hohen Wertnote für sehr viel Aufmerksamkeit. Von da an begann das Interesse an dieser Blutlinie zu wachsen. Bachus ist über den Hengst Rasputin ingezogen auf den Anglo-Araber Ramzes, welcher ebenfalls hervorragende Nachzucht, was das Springblut anbelangt, in Holstein hervorbrachte. Es wurden 57 Töchter von Bachus in Holstein eingetragen.

Sein einziger gekörter Sohn in der Reitponyzucht ist der Hengst Aldan DR beim Pferdestammbuch Schleswig-Holstein. Er deckte bis zu seinem Tode am 30.7.86 bei seinem langjährigem Besitzer und Förderer Manfred Hansen, Großenwiehe, 1190 Stuten verschiedenster Rassen. Dies ist somit Rekord für einen Shagya-Araber!

Bajar hat 24 gekörte Söhne verschiedenster Zuchtrichtungen - 14 Shagya-Araber-Hengste, 2 Anglo-Araber-Hengste, 1 Arabischen Halbblut-Hengst beim VZAP e.V., 1 Arabischen Halbblut-Hengst beim Holsteiner Verband, 1 gekörten Hengst beim Trakehner-Verband sowie weitere Söhne beim Pony- und Kleinpferdeverband Schleswig-Holstein.

Seine Söhne waren vielfach siegreich in Hengstleistungsprüfungen und vollbrachten 1990 bei der HLP in Medingen ein Kunststück: Sieger Bendigo (AH), Zweiter Bouquet (AA), Dritter Bazar (Sh) und Fünfter Belcano (AH) mit 112,92 Pkt.

BazarShagya-Araberhengst Bazar - Foto © M.Schwöbel

1991 wiederholte sich ähnliches. Er stellte mit Raon (Sh) den Zweiten, den Dritten mit Bajano (AA), den vierten mit Brokat (Sh), den sechsten Platz mit Bonjour N (Sh), sowie den siebten Platz mit Babel (Sh). Seine Nachkommen, durchweg Schimmel, waren und sind alle leistungsbereit, rittig, unkompliziert und mit einer sehr großen Springbegabung ausgestattet.

Hier könnte Ihre Werbung stehen!