So trainierst du rücksichtsvoll und abwechslungsreich trotz Leinenpflicht.
Im Frühling bringen heimische Wildtiere ihren Nachwuchs zur Welt: Die Brut- und Setzzeit hat bereits begonnen. In Niedersachsen – vom 01. April bis zum 15. Juli – sowie an vielen anderen Orten gilt die Leinenpflicht. Mit diesen fünf Tipps und Tricks machen Spaziergänge und Training in dieser Zeit trotzdem Spaß!
1. Wildtieren nicht zu nahe kommen
Im Frühling sind Wildtiere und besonders ihr Nachwuchs fast überall zu finden: An Ufern, in Gebüschen, in Wäldern und auf hochgewachsenen Wiesen, Feldern und Wegen, um nur einige Beispiele zu nennen.
Spannend zu wissen: Besonders Rehe stören sich nicht daran, wenn ein Weg viel genutzt wird, und verstecken ihren Nachwuchs gerne direkt am Wegesrand.
Um die Tiere bestmöglich zu schützen, solltest du so viel Abstand wie möglich zu ihnen einhalten und mögliche Verstecke meiden. Entdeckst du zufällig eines von ihnen, solltest du es auf gar keinen Fall anfassen und auch deinen Hund davon abhalten, es zu beschnüffeln, damit es nicht gestresst wird – das gilt auch, wenn das Tier nicht flüchtet, weil es wie zum Beispiel Rehkitze in eine Angststarre verfällt. Wenn überhaupt, sollten Fotos nur mit viel Abstand und ohne Blitz gemacht werden. Ist ein Tier verletzt, solltest du weiterhin Abstand halten und es nicht anfassen. Informiere unbedingt die zuständigen Personen wie Jäger:in oder die Polizei, damit dem Tier geholfen wird.
Der Frühling ist da und mit ihm die Brut- und Setzzeit (Copyright Susanne Reinke | Hundeschule Jagdfieber)
2. Auf die Leine achten
Dein Hund muss in dieser Zeit draußen angeleint sein, weshalb du besonders auf die Leine achten musst, da man besonders über lange Leinen schnell stolpert. Um das zu verhindern, solltest du immer nachgreifen. Lass deinen Hund außerdem nicht weiter rennen, als die Leine lang ist. Was offensichtlich wirkt, ist gar nicht so einfach umzusetzen, denn wenn du etwas wirfst oder auslegst, kannst du die Abstände nur schätzen. Schnell passiert es dann, dass entweder Zwei- oder Vierbeiner unerwartet in eine Richtung gerissen werden. Wählst du von Anfang an bewusst geringere Abstände, gehst du sicher, dass die Leine lang genug für euer Spiel oder Training ist.
3. Auslasten durch Kopfarbeit
Brut- und Setzzeit heißt Zeit für Grundlagentraining (Copyright Susanne Reinke | Hundeschule Jagdfieber)
Weil in der Brut- und Setzzeit viele Trainingsorte wegfallen, nutzt du am besten Flächen, auf denen du während Spaziergängen sowieso unterwegs bist: Die Wege. Hier kannst du Übungen aus dem Dummytraining machen und dich zum Beispiel der Fußarbeit widmen oder die Ecken zwischen den Wegen an Kreuzungen nutzen, um Geländewechsel zu trainieren.
Auch kleine Abschnitte von Wegesrand und -mitte können zum Einsatz kommen: Sie eignen sich wunderbar für Suchspiele. Hier darf sich dein Hund auf die Suche nach Futter, Dummies oder Spielzeug machen. Solche Suchspiele sind sehr auslastend für deinen Hund, weil ihm die Arbeit mit Nase und Kopf viel abverlangt.
Aufgepasst: Möchtest du Abschnitte wie die Ecken zwischen den Wegen an Kreuzungen, Wegesränder oder kleine Flächen im mittleren Grünstreifen nutzen, die nicht direkt auf den Wegen liegen, musst du vorher kontrollieren, ob sich hier Wild versteckt. Erst wenn du sichergestellt hast, dass sich keine Tiere auf der kleinen Fläche befinden, kannst du sie in euer Training integrieren.
Du kannst das Suchentraining noch vertiefen und mit deinem Hund den kleinen Suchenpfiff üben. Besonders in der Brut- und Setzzeit lässt sich dieses Signal gut üben, denn es bedeutet für deinen Hund, dass er auf kleiner Fläche (2*2m) suchen soll. Damit dein Hund das lernt und die Suche nicht ausweitet, solltest du – nachdem du in einem kleinen Bereich etwas für ihn ausgelegt hast – darauf achten, dass er sofort anfängt zu suchen und nicht erst in eine andere Richtung läuft. So stellst du sicher, dass er versteht, dass er beim kleinen Suchenpfiff sofort mit der Suche beginnen soll und keine große Suche erwünscht ist. Später kannst du die Übung auch anspruchsvoller gestalten, indem du zum Beispiel Ablenkungen einbaust.
Trainingstipp: Sowohl auf den Spazierwegen als auch zuhause kannst du wichtige Grundlagen wie zum Beispiel Alltagsübungen trainieren: das (lange) Sitzen, das Tauschen und Bringen sowie die Ablage – ein entspanntes Platz.
4. Auf dem Trockenen mit Wasser trainieren
Am Wasser entspannen und Frustrationstoleranz üben (Copyright Susanne Reinke | Hundeschule Jagdfieber)
In der Brut- und Setzzeit muss auch die Brut von Wildvögeln geschützt werden, weshalb du deinen Hund nicht schwimmen schicken solltest. Du kannst das Wasser allerdings trotzdem für euer Training nutzen: Suche dir einen schönen Platz am Wasser und setze oder stelle dich mit deinem Hund so hin, dass ihr es gut sehen könnt. Jetzt kann die Übung auch schon losgehen! Gemeinsam wartet ihr und beobachtet. So stärkst du die Frustrationstoleranz deines Hundes – vor allem, wenn er eine echte Wasserratte ist und viel lieber reinspringen als nur zuschauen würde. Damit er nicht wirklich losläuft, kannst du deinen Hund anleinen – bei dieser Übung ist die Leine euch nicht im Weg.
5. Geeignete Gelände finden
Natürlich gibt es auch im Frühling Möglichkeiten, ohne Leine zu spielen und zu trainieren: Eingezäunte Flächen eignen sich dafür hervorragend. Der Rasen sollte gemäht sein und die Abschnitte nicht mehr auf dem Boden liegen, denn auch darunter könnte sich Wildtier-Nachwuchs verstecken.
Streuobstwiesen, private und auch öffentliche Hunde- und Trainingsplätze sind Beispiele für geeignete Orte, die du – gegebenenfalls auch Nachfrage hin – in dieser Zeit nutzen kannst. Falls du öffentlich zugängliche Plätze normalerweise meidest, um die dort wartenden Ablenkungen zu umgehen, kannst du in der Brut- und Setzzeit versuchen, diese Verleitungen in euer Training einzubauen. So lernt dein Vierbeiner, sich trotz Trubel zu konzentrieren.
Auf eingezäuntem Gelände darf die Leine auch mal weg (Copyright Susanne Reinke | Hundeschule Jagdfieber)
Fazit: Trainieren statt pausieren
Der Nachwuchs heimischer Wildtiere muss geschützt werden, weshalb du in der Brut- und Setzzeit darauf achten solltest, die Jungtiere nicht zu stören oder zu verängstigen. Kennst du typische Verstecke und weißt, was zu tun ist, wenn du doch einmal einem Tier begegnest, vermeidest du, dass etwas passiert. Der Schutz der Wildtiere bedeutet allerdings nicht, dass du euer Training pausieren musst. Du kannst trotzdem Spaß mit deinem Hund haben, Suchspiele mit ihm machen, Grundlagen trainieren und zum Beispiel auf Wegen oder am Wasser üben. Die wichtigsten Infos findest du auch hier in dieser kostenlosen Checkliste. So bleibt ihr im Training und könnt so richtig loslegen, wenn die Leine dann wieder ab darf!
Noch mehr Tipps wie die in diesem Artikel findest du in dieser Podcastfolge: https://www.hundeschule-jagdfieber.de/p076-brut-und-setzzeit-hundetraining/
Webseite Online-Hundeschule Jagdfieber: https://www.hundeschule-jagdfieber.de/
Podcast “Dummy & Co”: https://www.hundeschule-jagdfieber.de/podcast/
Kostenlose Checkliste für ein erfolgreiches Training mit Leine während der Brut- und Setzzeit: https://www.hundeschule-jagdfieber.de/leine/
Autorinnenfoto: Text Copyright Susanne Reinke | Hundeschule Jagdfieber

Vita Susanne Reinke
Susanne Reinke ist Gründerin der Online-Hundeschule Jagdfieber, die sich auf Dummytraining und Fußarbeit spezialisiert hat. 2014 gründete sie Jagdfieber in Lüneburg, bevor sie 2018 mit ihrer Familie und ihren zwei Tollern nach Kanada auswanderte und das Konzept von dort aus erfolgreich digitalisierte. Heute begleiten sie und ihr Team Hundebesitzerinnen im gesamten DACH-Raum mit einem einzigartig strukturierten Trainingsansatz – praxisnah, individuell und alltagsorientiert. In ihrem Podcast "Dummy & Co" gibt sie in wöchentlich erscheinenden Episoden Tipps und Erklärungen rund um das Thema Dummytraining, getreu ihrem Motto: "Dummy kann jeder".