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Arabitis ist begründet

Arabischer HengstArabischer Hengst - Foto © M.Groger

Das Arabische Vollblutpferd - Seine Bedeutung als Veredler anderer Pferderassen, und das nicht nur, um die äußere Erscheinung zu verändern, hat sich der Araber seit Jahrhunderten bis heute erhalten und in fast jeder Rasse viel bewirkt.

Wie ein Vater, der selbst nie auf die glorreichen Treppen stieg, verhalf der Araber mit der Vererbung seiner Tugenden vielen Pferden anderer Rassen zum Sieg und hohem Ansehen im Sport- und Zuchtgeschehen.

Bereits in den 1970er Jahren schrieb der berühmte Tierforscher Professor Dr. Bernhard Grzimek in einem Artikel der Zeitschrift "Das Tier" mit dem Titel "Ich bin von der Arabitis befallen" über seine Liebe zu den Arabischen Vollblütern. Er erklärte darin, wie das Arabische Pferd seinen Siegeszug durch die Entwicklungsgeschichte so mancher Pferderassen gemacht hat: "Mit Arabischen Vollbluthengsten sind immer wieder andere Pferderassen geschaffen oder veredelt worden, ob nun Trakehner, Hannoveraner, Lippizaner, Andalusier, Haflinger, Fjordpferde, Traber oder das Englische Vollblut".

Adel & SchönheitAdel & Schönheit - Foto © M.Groger

Viele Menschen werden von den offensichtlichen, rassespezifischen Merkmalen des Arabers in ihren Bann gezogen: Seiner Schönheit, dem edlen Aussehen, den großen Augen, dem trockenen Kopf mit dem konkaven Profil, den weiten, weichen Nüstern, dem edel gebogenen Hals und den wundervollen Gängen. Sein Habitus vermochte gar Künstler in ihren Werken, gleich einer Muse, zu inspirieren. Seine mystisch anmutende Vergangenheit beflügelte Lektoren zum Schreiben traumhafter Geschichten.

Andere Menschen wieder wissen vor allem sein Wesen, seine Leistungsbereitschaft und Ausdauer zu schätzen. "Bei aller Erregbarkeit des Vollblüters sind sie stets gutmütig und fügsam, jedoch nicht angriffslustig, im Gegensatz zu so manchen anderen Pferderassen" (Zitat Professor Dr. Bernhard Grzimek).

Auf welchem Wege auch immer es einem begegnet, das Arabische Pferd ist die Ursache der wohl weltweit einzigen Krankheit, die bereichernde, erfüllende und belebende Symptome zur Folge hat: Die "Arabitis" ist sowohl durch Exterieur als auch Interieur des Arabischen Pferdes begründet!

SanftmutSanftmut - Foto © M.Groger

Was von beidem mehr an Bedeutung gewinnt, richtet sich unweigerlich nach dem individuellen Geschmack eines jeden selbst, ist jedoch mit rationellen Argumenten allein nicht zu erklären. Es ist Liebe und wer ist schon in der Lage, Liebe zu erklären!

Zucht Arabischer Pferde

In den vergangen Jahrzehnten etablierten sich Züchter unterschiedlichster Araber-Zuchtrichtungen. Die vielfältige Orientierung der "Arabitis-Erkrankten" ergibt sich aus dem Umstand, dass es Araber verschiedener Abstammungen gibt. Zum einen die Vollblutaraber, deren Ahnenreihe im Orient beginnt. Diese bilden die Grundlage für die weltweite Verbreitung und die Entstehung anderer Zuchtrichtungen, wie z.B. in Polen, Ungarn, Russland, England, Spanien und Deutschland.

Die jeweiligen Zuchtgebiete folgten ihren landesüblichen Traditionen und Vorlieben und prägten so die Vollblutaraber auf ihre jeweils persönliche Art und Weise. Des Weiteren entstanden Araber, deren Vorfahren einen Seitensprung in andere Rassen gemacht hatten und somit neue, heute fundierte Araber-Kreuzungen entstehen ließen. Dies erlaubt es Araber-Fans, ihren Wünschen entsprechend aus einem reichhaltigen und vielschichtigen Fundus innerhalb einer Rasse wählen zu können. Eine Intention begeisterter Tierliebhaber, ein Pferd zu wählen, ist zum Beispiel die Reiteignung.

VA-Hengst DschehimVA-Hengst Dschehim - Hauptbeschäler im HLG Marbach Foto © M.Groger

Reiteignung und Einsatz Arabischer Pferde

Das deutsche Pferd ist gewissermaßen zum modernen Prototyp des Dressurpferdes geworden. Das soll nicht heißen, dass man nicht auch mit anderen Pferdetypen an Dressurwettbewerben teilnehmen könnte. Aber mit feinen Pferden kann man sich keine Hoffnung auf einen Grand Prix machen, ohne fein zu reiten. Je sensibler ein Pferd ist, umso feinfühliger muss seine Ausbildung sein. ... Ohne Anmut gibt es kein feines Reiten, und ohne Feingefühl kann man nicht an Kunst denken. Härte, Kraft sind die Mitgift der Mittelmäßigen, die niemals wahrhaftig sein wollen.“ (Zitat Nuno Oliveira)

Der im schweren Springen erfolgreiche Anglo-Araber BonaparteDer im schweren Springen erfolgreiche
Anglo-Araber Bonaparte
Foto © M.Groger

Auch die morgenländischen Pferde bewähren sich unter dem Sattel, sofern sie entsprechend trainiert und mit dem erforderlichen, reiterlichen Können vorgestellt werden. Demnach kann das Teil- oder gar Unwissen einiger Pferdebesitzer nicht den Pferden angelastet werden. Gemäß Reitmeister Nuno Oliveira liegt es nahe, dass man aus den Arabern keine "Sportgeräte" machen kann, wie es anderen Rassen immer widerfährt. Als Beduinenpferde haben sie bei ihren Herren im Zelt gelebt. So tun sie alles für "ihren" Menschen, aber nicht für Schleifen.

Einen Vollblutaraber zu reiten ist Freude und Ehre zugleich, und wenn man mit dieser Einstellung an diese Pferde herantritt, begegnet einem ein sehr leistungsstarker, kooperativer und lernwilliger Partner. Ohne mit den großen Warmblutrassen in Konkurrenz treten zu wollen, was aufgrund ihrer Größe schon nicht ginge, findet man sie im Spring- und Rennsport, Westernreiten, der klassisch englischen und iberischen Dressur sowie im Distanzsport.

VA-Hengst Oraysan unter Sandra NehringVA-Hengst Oraysan unter Sandra Nehring
Foto © M.Groger

Gerade für den Distanzsport scheint der Araber prädestiniert zu sein. Amerikaner, zum Beispiel, ritten Pferde verschiedener Rassen in sechs Tagen über 600 km und stellten fest, dass die Araber mit den kleinsten Futtermengen auskamen (mit einem Drittel bis zur Hälfte der Nahrung der anderen Pferde). Sie erreichten zudem im besten Zustand das Ziel der Etappe und hatten den geringsten Gewichtsverlust. Kein Wunder also, dass ein solches Pferd von Distanzreitern bevorzugt wird.

Resumé - All diese unterschiedlichen Menschen, die sich wo auch immer begegnen, haben eines gemeinsam: Die Liebe zum Arabischen Pferd, die Faszination über ein Wesen, welches man gemeinhin, aufgrund seiner dem Menschen zugewandten und oft charakterlich ähnlich individuellen Art, manchmal nicht als Pferd bezeichnen möchte.

Claudia Jung mit VA-Hengst Kar Testo RossoClaudia Jung mit VA-Hengst Kar Testo Rosso - Foto © M.GrogerDie Eigentümer Arabischer Pferde erfreuen sich ihrer edlen Rösser und geben sich mit ihrem Pferd engagiert ihrer jeweiligen Passion hin. Ob sie es sich nun zur Aufgabe gemacht haben, die Einsatzfähigkeit des Arabers im Sport unter Beweis zu stellen, die Freizeitgestaltung durch Ausritte, gewichtslose Arbeit an der Hand / Longe oder das Erlernen zirzensischer Lektionen zu bereichern, oder Events zu besuchen, um sich allein an der Darstellung von Schönheit und Vielfältigkeit Arabischer Pferde im Freilauf und an der Hand zu erfreuen - alles ist möglich und unterstreicht die Vielseitigkeit dieser Rasse.

Neben den Züchtern sind es vor allem die Reiter, die der Öffentlichkeit versuchen zu zeigen, dass man Araber auch reiten kann und sollte. Waren diese Pferde doch vor Jahren als "Vorgartenzwerge" verpönt, obwohl sie hinter den Kulissen soviel mehr zu geben im Stande sind, was man allein durch Worte nicht vermitteln kann.

So ist die "Arabitis" nicht allein mittels simpler Thesen wie der sportlichen Vielseitigkeit oder der Schönheit und Eleganz der Tiere zu erklären. Sie ist die Liebe zu einem zauberhaften Wesen, die durch die Intelligenz, Noblesse und Feinheit dieser Tiere allein schon im alltäglichen Umgang zum Ausbruch kommt. Es wird, wenn wir bereit sind, seine Offenheit anzunehmen, zu unserem Spiegel, was uns letztendlich dazu veranlasst, ihm mit der gleichen Feinheit zu begegnen.

So heißt es in einem arabischen Gedicht:
"Wenn du einem Araberhengst begegnest, verhalte dich wohl. Wenn du ihn besitzt, behandle ihn wie deinen Freund und auch er wird dir ein Freund sein. Er wird dir vertrauen und niemals Argwohn gegen dich hegen. Er wird dein Stolz und deine Freude sein. Doch verrate ihn nie, denn im selben Augenblick hättest du ihn für immer verloren und wärst nicht mehr den Staub unter seinen Hufen wert."
Melanie Groger
Über den Autoren Melanie Groger
Seit Anfang der 90er Jahre bin ich als passionierte Tierfotografin tätig. Was als leidenschaftliches Hobby begann, wurde nach mehrjähriger Tätigkeit im kaufmännischen Bereich zu meinem Hauptaufgabengebiet.
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