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Die Bedeutung arabischen Blutes für Warmblut- und Reitponyzucht

Allat al GanschowVA-Hengst Allat al Ganschow - Foto © M.Schwöbel

Bei der Umzüchtung des Wirtschaftspferdes zum modernen Sportpferd waren arabische Pferde maßgeblich beteiligt. In der ersten Zeit fanden überwiegend arabische Vollblut-Hengste Verwendung. Von ihnen wünschte man Härte, Ausdauer, Langlebigkeit, Charme, Schönheit, sowie einen guten Charakter.

Als man das Zuchtziel der Warmblutpferde in Richtung auf mehr Kaliber und mehr Rahmen änderte, ging die Ära der Vollblutaraber in direkter Einkreuzung ihrem Ende entgegen. Behaupten konnten sich allerdings die mit mehr Reitpferdepoints versehenen Anglo - Araber, als auch einige Shagya- Araber. Zwei Stempelhengste deutscher Warmblutzuchten, der Hannoveraner Gotthard und der Anglo- Araber Ramzes (über seine Shagya-Arabermutter Jordi) führen in ihren Ursprüngen das Blut des Weiler Amurath 1881 ox.

 

 

Shagya - Araberblut

Der Shagya-Araberhengst Gazal VII, im Alter von 23 Jahren aus Babolna nach Deutschland in das Gestüt Schmid - Ankum importiert, seine Söhne Gazal und die Landbeschäler Czardas (Celle von 1973-1978) und Galan (aus einer Wöhlermutter) wirkten erfolgreich in der hannoverschen Warmblutzucht. Spuren sind noch heute zu finden. So geht der Landbeschäler Matula von Matcho AA in der Mutterlinie über Galan auf Gazal VII zurück.

Im Jahr 2003 hat der 1996 bei Hugo Nagel, Lemgo, geborene Shagya-Araberhengst Galan (v. Gadar a.d. Aysha v. Amor), ebenso wie sein Vater einstmals vor ihm, die Anerkennung des Hannoveraner Verbandes erreicht. Der im Besitz des Gestütes Ismer, Ströhen, stehende Hengst ist erfolgreich in der Vielseitigkeit und beeindruckte bei seiner Anerkennung besonders mit überragendem Freispringen.

Shagya-Araberhengst GalanShagya-Araberhengst Galan - Foto © M.Groger

Eine Anerkennung für das Zuchtgebiet Holstein, die Trakehner - und Holsteiner Ponyzucht hatte der Ausnahmehengst Bajar v. Suakim, der selbst im Springsport bis zur Klasse S erfolgreich war. Er wurde in der Zucht stark frequentiert. Sein Sohn Bazar (Sha) wirkte von 1999 bis 2001 als Pachthengst im Haupt- u. Landgestüt Neustadt/Dosse und hatte dort 89 Warmblutbedeckungen zu verzeichnen. In seiner Nachzuchtschau konnte man seine deutlich veredelten Fohlen betrachten.

Der Hengst Puschkin R v. Pamino im Besitz von Thomas Wehner, Mittelkalbach (anerkannt für Trakehner, Hessen, ZFDP) war 1994 Sieger der Hengsteistungsprüfung in Warendorf gegen Warmblutpferde!

Eine Trakehneranerkennung hat auch der in der Vielseitigkeit erfolgreiche Ghazzir (v. Bajar a.d. Galina v. Gazal VII). 1989 und 1990 konnte er sich beim Bundeschampionat in Warendorf auf Rang 11 und 10 in der Vielseitigkeit platzieren.

Bei dem hannoverschen Landbeschäler Goodman v. Graf Grannus findet sich auf der Mutterseite über die Stute Madka das Shagyablut des 321 Siglavy Bagdady VI .Goodman ist ein springbetonter Vererber.

Anglo-Araberhengst Matula v. Matcho AAAnglo-Araberhengst Matula v. Matcho AA
Foto © M.Schwöbel

Als Mittler zwischen dem Shagya- und Anglo-Araber können zwei Trakehner Hengste wirken, die ihren Einsatz auch im Celler Landgestüt fanden: Buddenbrock v. Sixtus > Habicht > Burnus, dessen Mutter Ballerina über die Stute Blinklicht weiteres Burnusblut führt und sein Sohn Connery. Der anglo - arabische Halbblüter Burnus stammt ab von dem Shagya-Araberhengst Lapis, der als Kriegsbeute und als Armeepferd seines späteren Besitzers Schmid - Salzmann in die deutsche Zucht kam. Über sein langes, abenteuerliches Leben könnte man einen Roman verfassen.

Anglo - Araberblut

Trotz kleiner Zuchtpopulation haben sich die Anglo-Araber vielfältig in die Zucht des deutschen Warmblutpferdes eingebracht. Der Anglo-Araber Ramzes von Rittersporn xx a.d. Shagya-Araberstute Jordi ist mit Abstand der Erfolgreichste. Er ist in Holstein (über Ramiro) und in Westfalen (Radetzky, Romadour II) begehrt. Noch heute ist er im Pedigree vieler Sport- und Zuchtpferde zu finden.1999 konnte seine Linie wieder einen deutlichen Aufwärtstrend verzeichnen. 814 Stuten (6,9 %) wurden den Hengsten dieser Linie zugeführt. Im Privatbesitz befindet sich der Beschäler Regazzoni, dazu die Celler Landbeschäler Rotspon und Rosentau, beide von Rubinstein I. Rosentau hat den dressurmäßig gut veranlagten Robbespierre zu bieten, während Rotspon dieses Jahr mit Re Primeur den besten Jahrgangshengst auf dem Vergleichsturnier in Verden präsentierte. Wie sein Vater zeichnet er sich durch besondere Rittigkeit aus. Er war Zweiter der Hengsteistungsprüfung 2003 mit einem Dressurindex von 149,82. Ein Nachkomme des Hengstes Kurde x Kurier stand bis 1977 in Ihlienworth. Kuriers Spuren sind dort heute noch in den Zuchtstutenstämmen zu finden und geben seinen Adel weiter.

Von 1983 bis 1995 wirkte der bildschöne, 1978 in Frankreich geborene Rappe Matcho AA (v. Pancho II a. d. Timab de Fondelyn x v. Karikal IV x) im Celler Landgestüt.1982 wurde er HLP-Sieger in Adelheidsdorf. Er debütierte als vielseitiger Vererber mit Schwerpunkt Dressur und war auf der Deckstation in Oberndorf aufgestellt. Matcho selbst war ein sehr menschenbezogener, charakterstarker und ausgeglichener Hengst, der diese Eigenschaften gepaart mit Leichtrittigkeit auch vererbte. Er hinterließ 42 gekörte Söhne in unterschiedlichen Zuchtverbänden. Noch bis 2004 waren acht seiner Söhne im hannoverschen Deckeinsatz (4 Landbeschäler und 4 private). Dazu ist sein Blut in zahlreichen Stutenfamilien enthalten. In der hannoverschen Zucht hinterließ er 503 eingetragene Stuten, davon 126 Staatsprämien. Hier brilliert er als Vater edler, bewegungsstarker Stuten, die über überragende Reitpferdepoints bei makellosem Fundament verfügen. Im folgenden Durchgängen der Stutenleistungsprüfungen haben wiederum zahlreiche Stuten vordere Platzierungen erreicht, die aus Matchomüttern stammen und durch überragende Rittigkeit auffielen.
Die Nachkommen-Lebensgewinnsumme betrug im Jahr 2004 440.000,- Euro. In der Anpaarung passt Matcho zu allen hannoverschen Warmbluthengsten.

Anglo-Araberhengst Metternich v. Macho AAAnglo-Araberhengst Metternich v. Matcho AA
Foto © M.Schwöbel

Seine Söhne in Celle:

  • Mangan geb. 1985
  • Mondial geb. 1987, der in seiner Leistungsprüfung als ausgeglichenes, vielseitiges Reitpferd mit enormem Springvermögen beschrieben wurde
  • Matula geb. 1988, der in seiner Mutterlinie über Galan das Blut des Shagyaarabers Gazal VII führt
  • Metternich geb. 1990, der stärker frequentiert war und durch Leichtrittigkeit überzeugte

 

Landbeschäler Waterford v. Wolkenstein IILandbeschäler Waterford v. Wolkenstein II
Foto © M.Schwöbel

Zusätzlich ist Matcho AA als Muttervater bei den Landbeschälern Ginsberg v. Graf Grannus geb. 1994 und dem überragenden Waterford v. Wolkenstein II geb. 1996 vertreten. Waterford war Sieger der HLP 1999 mit 149,94 Punkten und einem Dressurindex von 154,48! Die Bewegungsqualitäten dieses eleganten Fuchshengstes sind geradezu unglaublich. Man war begeistert von den hervorragenden Reiteigenschaften, der enormen Umgänglichkeit und Lernbereitschaft dieser jungen Hengste.

 

 

 

 

 

Matchosöhne im privaten Deckeinsatz:

  • Masai geb 1986, Pferde- Reha, Filsum
  • Meilenstiefel geb. 1989, Philipps, Bissendorf
  • Mendecino geb. 1995, R. Bogena, Etzel
  • Decoration AA geb. 1985, Armin Gantzckow, Sahms

Der Fuchshengst Decoration, der auf der Mutterseite über seine Mutter Dunka auch Shagya-Araberblut führt, war einige Jahre an das Staatsgestüt Janow Podlaski in Polen verpachtet und konnte dort nutzbringend in der Zucht eingesetzt werden. Obwohl selber Fuchs, hinterließ er als Nachwuchs nur Braune und Rappen! Bei der nationalen Araberschau 2003 im wunderschönen Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse konnte man dank der internationalen Ausschreibung in den Shagya- und Anglo-Araberklassen zwei hochnoble Töchter dieses interessanten Vererbers bewundern. Die elegante braune Emarilla sowie die schwarze Empatia, beide 2001 geboren, demonstrierten eindrucksvoll den hohen Stand polnischer Anglo-Araberzucht. Sie wurden beide Jugend- und Reserve-Jugend-Champion. Eine weitere positive Visitenkarte gab der Hengst Decoration mit der Jungstute Despina d`Luna geb. 2000 aus einer Mutter von Remidios > Reichsgraf ab. Ihre Besitzer, die Familie Feldmeier, Sahms, sind total begeistert von dieser grundanständigen, menschenbezogenen Jungstute, die sich, obwohl erst vier Wochen unter dem Sattel, als super rittig erwies. Hohe Wertnoten in der Stutenleistungsprüfung legten Zeugnis von der guten Reitqualität dieser Decoration-Tochter ab. Wer erinnert sich nicht noch an Dinar As, den bis S ausgebildeten Decoration-Sohn von Armin Gantckow, der jahrelang das Dressurgeschehen in Neustadt/Dosse dominierte. Er begeisterte durch sein enormes kraftvolles Gangvermögen, dabei immer cool und leistungsbereit, auch im Springen.

Als Muttervater befindet sich Matcho AA in der Deckliste 2004 bei weiteren zehn aktuellen Vererbern, so z.B. beim Bundeschampionatssieger 1998 Del Piero, der auf dem Papehof in Hemmoor aufgestellt war. Bei der Sattelkörung 2004 wurde ein vierjähriger Hengst von Wolkenstein II aus einer Matcho AA Mutter (B: Tanja Schmidt, Oberndorf) mit einer Prämie ausgezeichnet.

Anglo-Araberhengst Lavauzelle AAAnglo-Araberhengst Lavauzelle AA
Foto © M.Schwöbel

Als einziger reiner Anglo-Araber war 2004 der Hengst Lavauzelle AA von For Avril AA, dessen Sohn Limited Edition 2 x das Bundeschampionat in der Vielseitigkeit gewann, im Landgestüt aufgestellt. 2002 waren 27 Nachkommen im Sport vermerkt, die Lavauzelle als Vater aufweisen. Der lerneifrige Lavauzelle selbst ist bis in höchste Lektionen ausgebildet und begeistert das Publikum am langen Zügel oder unter dem Sattel mit seinen Piaffen und Passagen jedes Jahr aufs neue. Bei den Privathengsten ist der ehemalige Landbeschäler Mont du Cantal AA von Montfleury AA geb. 1988 erwähnenswert. Drei Söhne von ihm sind in der Privathengsthaltung zu verzeichnen. Mont du Cantal AA verfügt über eine gute Dressurveranlagung, die er seinen Nachkommen mitgibt.

Nicht nur in der Oldenburger Zucht begehrt waren der Schimmel Inschallah AA und der Anglo Normanne Zeus v. Arlequin AA a. d. Urielle v. Matador AA. Zeus hat nur zwei gekörte Söhne hinterlassen. Als privaten Beschäler finden wir Zaadam geb. 1989 bei W. Ehlers in Walsrode und im Landgestüt Celle wirkt auf der Station Dorum Zacharias geb. 1991, der auf der Mutterseite Gotthard-Blut führt. Er empfiehlt sich als Vererber überdurchschnittlicher Springpferde. Im März 2004 bestand eine Tochter von ihm die Stutenleistungsprüfung in Ihlienworth mit einer 10 für Vermögen und einer 9 für Manier am Sprung.

Etwas traurig stimmt allerdings eine Statistik, die im Februar 1999 in der Zeitschrift „Der Hannoveraner“ zu lesen war: Obwohl die Bedeutung und Notwendigkeit des Einsatzes von Englischem Vollblut und Anglo-Arabischem Blut für die hannoverschen Stutenstämme bekannt seien und in der Zuchtbuchordnung mit 15 % gewünscht würden, sei die Tendenz eher rückläufig: 1992 13,1 %, 1997 8,7 %, 1999 7, 4 %

Arabisches Blut in der Zucht des deutschen Reitponys

Betrachtet man einmal die Körverzeichnisse 2002 und 2003 des Verbandes der Pony- und Kleinpferdezüchter Hannover, so fällt auf, das arabisches Blut (alle Bereiche) heute meist in der 3. oder 4. Generation zu finden ist. Sehr selten erhalten arabische Hengste heute noch die Anerkennung für die Reitponyzucht und die anerkannten Veredler kommen fast nicht mehr zum Einsatz. (2004 erhielt ein Vollblutaraberhengst in Weser-Ems die Anerkennung, beschränkt auf zehn Stuten). In Mecklenburg hat der, auf den Marbacher Gharib zurückgehende Vollblutaraberhengst Allat al Ganschow (v. Allat al Kuzar a.d. Allat el Gaschya) die Anerkennung für die Reitponyzucht erhalten. Mit einem 5%igen Altersabzug legte er seine HLP in Neustadt/Dosse mit einer beachtlichen 7,36 ab. Dieser beeindruckende Rappe wird in bescheidenem Maß in der Reitponyzucht und in der Zucht Lewitzer Schecken eingesetzt. Er gefällt durch sein korrektes Gebäude, seine Rittigkeit und Leistungsbereitschaft. Ganschow lebt bei Anita Stang im Jagdschloss Friedrichsmoor in der Lewitz.

Wer Reitponys mit mehr arabischem Flair züchten möchte, betritt vielleicht eher die Zuchtschiene des VZAP e.V. in Richtung Partbred-Araber. Bei der Entstehung des deutschen Reitponys spielten in den 60iger Jahren die Welshponys (hier besonders das Welsh B) und arabisches Blut eine große Rolle. Westfalen setzte hierbei auf arabisches Vollblut (Merafic ox), Weser-Ems hingegen gleich auf Anglo-Arabische Beschäler wie Caid AA, Ariso AA und Florist AA. Diese und ihre Nachzucht waren später auch in Westfalen erfolgreich. Der aus England importierte Nazim ist noch heute in vielen Reitponyabstammungen zu finden, wurde oft fälschlicherweise als ox bezeichnet, ist aber ein Anglo-Araber, laut Dr. Schön, dem engagierten Anglo-Araberzüchter aus Usedom.

Prämien u. Elitehengst Marquis AAPrämien u. Elitehengst Marquis AA
Foto © M.Schwöbel

Auch die Züchter des hannoverschen Ponyverbandes bedienten sich bei dem hochkarätigen Celler Landbeschäler Matcho AA, der immer noch erfolgreiche Pony-Nachzucht aufweisen kann. Sein erfolgreichster Sohn in Hannover ist der Prämien- und Elitehengst Marquis AA, der über 13 gekörte Söhne und zahlreiche vielseitige, vermögende Sportnachkommen verfügt. In den Toplisten erfolgreicher Hengste ist er auf Rang 16 von 100 zu finden. Viele Nachkommen waren Bundeschampionatsteilnehmer und Sieger. Seine Großsohn Miraculix v. Marco Polo (selbst bis in die Klasse S erfolgreich) ist amtierender Landesmeister der Vielseitigkeit. Beide Hengste stehen auf dem Overbeckhof in Luhmühlen.

Sicher erheben diese Ausführungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Jeder kann sich in seinem eigenen Zuchtgebiet einmal auf Spurensuche begeben - ein durchaus spannendes Unterfangen.

Fazit aber bleibt: Für die Warmblut- sowie die Ponyzucht sieht man heute das arabische Blut mit all seinen positiven Eigenschaften gern in der 3. u. 4. Generation. Das Problem ist lediglich, dahin zu gelangen!

(Dieser Artikel spiegelt den Stand im Jahr 2004 mit dem Schwerpunkt des Zuchtgebietes Hannover wider)