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a Foto P.U. SchulzeFoto © P.U. Schulze

Hengstauswahl bei den Amerikanischen Shetland - Ponys

Der Aufbau von Hengstlinien wird immer wichtiger. Wie auch bei anderen Pferdezüchtern beginnen mit dem neuen Jahr auch bei den Züchtern von Amerikanischen Shetland - Ponys die Überlegungen für die neuen Anpaarungen, obwohl die Zuchtsaison anders als bei anderen Rassen i.d.R. frühestens im Mai beginnt. Schließlich soll der neue Fohlenjahrgang „in das Grüne hinein", auf der Weide, abgefohlt werden.

Für die im Club für Amerikanische Shetland-Ponies (CASP e.V.) zusammengeschlossenen Züchter stehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz insgesamt 24 qualitätsvolle Zuchthengste bereit, um die Zucht von „American Shetlands" im Classic-, Mini- und Modern-Typ voranzubringen.

Das Geschlechterverhältnis der Hengste zu aktiven Zuchtstuten ist mit ca. 1:4 zwar hoch, aber auch gewollt, um nicht schnell in zu enge Blutführungen zu kommen. Denn unterschiedliche Mutterlinien sorgen bei den miteinander verwandten Hengsten für alternatives Erbgut über die Mütter. Da die Zuchtstätten auch regional bzw. international weit auseinander liegen, ist eine eigene Hengsthaltung bei allen „grösseren" Zuchten schon aus wirtschaftlichen Gründen die Regel.

Dennoch hat die Entwicklung der seit 15 Jahren betriebenen Zucht von American Shetlands in Europa inzwischen einen Stand erreicht, der den Aufbau von Zuchtlinien erforderlich macht. Dadurch soll das, was den jeweiligen „Typ" ausmacht, genetisch gefestigt werden, um dann weiter - z.B. durch Linienkreuzungen - für den erforderlichen Zuchtfortschritt zu sorgen.

Dabei hilft den Züchtern sicherlich auch die Tatsache, dass die Hengste, die im Rahmen der Zuchtbuchführung des „American Shetland Pony Club" (ASPC) zur Zucht eingesetzt und deren Nachkommen in den USA ihre Zuchtpapiere erhalten, nicht wie in Deutschland „verbandsgekört" sein müssen, sondern nach Entscheidung des Züchters eingesetzt werden können. Diese „liberale" Zuchtmethode hat in den USA auch hier sehr erfolgreiche Rassen wie Quarter- und Paint-Horse u.a. amerikanische Pferderassen hervorgebracht, aber auch das „American Shetland", das sich vor allem im „Typ" doch extrem von seinen ab 1885 von den Shetland-Inseln importierten Vorfahren unterscheidet. Es ist eine völlig andere Rasse.

Die CASP-Züchter können inzwischen auf verschiedene Hengstlinien zurückgreifen. Sie haben es sich nicht nehmen lassen, bei ihrem züchterischen Start auf deutsche Nachzucht des USA-Importhengstes „Daytona's Jiggs" zurückzugreifen, der als „Jiggs" auch das heutige „Deutsche Classic Pony" begründet hat. In der Vaterlinie gehen noch drei CASP-Hengste auf diesen Altimport aus den 60er Jahren, der in gerader Linie von „King Larigo" abstammt, zurück. Sie wirken heute in der Zucht als „Outcross" Linien.

Foto CASP Archiv Golden Boy CrescentGolden Boy Crescent - Foto © CASP Archiv

Die am stärksten verbreitete Hengstlinie ist aber die des amerikanischen Superhengstes „Golden Boy Crescent". Nicht weniger als neun Vererber des Classic-Typs, zwei des Modern Typs und zwei des Mini-Typs gehen auf „Golden Boy Crescent" in der Vaterlinie zurück. Und meistens erkennt man das auch an seinem speziellen, sehr ausgewogenen und gangstarken Classic-Typ und dem menschenbezogene Charakter der Tiere.

 

2 Foto CASP Archiv Pattons TimepiecePatton's Timepiece - Foto © CASP Archiv

Ebenso vererbungsstark ist auch die Linie des Schimmelhengstes „Patton's Timepiece", der mit drei Hengsten des Classic-Typs vertreten ist, aber auch als Vorfahre von zwei American Miniature Shetland-Hengsten in der CASP-Hengstliste auftaucht. Diese sehr elegante und edle Linie Seth Thomas / Pattons Timepiece erlebt zur Zeit in den USA wegen ihrer ausdrucksvollen Köpfe, ihrer tollen Halsung und ihrem Bewegungspotential sowohl in der Classic Shetland- als auch in der Miniature Horse-Zucht einen unvergleichlichen Aufschwung.

 

4 Foto CASP Archiv Kid LeeKid Lee - Foto © CASP Archiv

Neue züchterische Impulse sind darüber hinaus von frisch aus den USA importierten Zuchthengsten des Classic Typs zu erwarten, denn sie vertreten andere, aber in Amerika etablierte und bewährte Hengstlinien, die dort seit langem ihre eigenen Akzente gesetzt haben. Einer der Neu-Importe bringt über seinen Vater Mr. State Line die bekannte „Kid Lee" Linie nach Europa.

 

3 Foto CASP Archiv Bar-Gs Rrock EBar-G's Rock „E" - Foto: CASP Archiv

Der Andere ist ein Enkel der noch lebenden Zuchtlegende „Bar G's Rock E" , der in den USA die z.Zt. wohl „angesagteste" und auf Schauen heute erfolgreichste Hengstlinie begründet hat.

Die Auswahl an exotischen Farbgebungen ist bei den American-Shetland Hengsten gross. Es dominieren zwar Varianten, die durch das Silber-Gen die Grundfarben des Körpers aufgehellt und schwarzes Langhaar in weisses verändert haben, also Silver dapples (Silber-Rappen), Silver red bay (Silber-Rotbraune) und Silver bay (Silber-Braune), oder auch Palomino dapple (Silber-Hellbraune), aber auch Rappen Braune, Füchse und Schimmel kommen vor. Als Scheckvariationen stehen in unterschiedlichen Hengstlinien „Splashed white" Overos, Tovero und Tobiano für potentielle Scheckzüchter bereit. Man hat heute, nach 15 Jahren CASP e.V. inzwischen glücklicherweise die „Qual der Wahl". Insofern ist es heute ein Glück, American Shetland-Züchter zu sein. Da einige der aufgestellten Hengste nach abgelegter Leistungsprüfung Fahren auch für die Zuchtrichtung „Deutsches Classic Pony" herangezogen werden können, können auch deren Züchter zwecks Veredelung von ihnen profitieren.

 

Alle aufgestellten Hengste können unter www.american-shetland.de im Internet mit Bild und Beschreibung besichtigt werden. Der Autor, Günter Kania, ist Vizepräsident des CASP e.V. und für die Zuchtberatung verantwortlich.

Verschiedene Linien, verschiedene Farben: Bei den American Shetland-Zuchthengsten gibt es viele Alternativen.