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Richtige Vorsorge beim Gassigang oder Training im Freien kann das FSME-Infektionsrisiko beim Menschen verringern!

Vom Aufstehen bis zur Schlafenszeit begleiten beide Hunde Stella und Sammy die Hundetrainerin und -psychologin Julia Neuen auf Schritt und Tritt. „Wir sind wahnsinnig viel draußen in der freien Natur unterwegs – bei Wind und Wetter“, so Neuen. Klassische Gassirunden gibt es da nicht, ihre beiden Gefährten sind komplett in Julia Neuens Leben integriert.

 

Vorbeiflitzende Fahrräder, aufgeregte Kinder oder gelegentliche Rolltreppen sind Sammy und Stella deshalb längst gewöhnt und von Hundeleinen wollen die beiden nichts wissen. Sie bleiben sowieso am liebsten in der Nähe ihres Frauchens – egal wie einladend das weite Grün einer Wiese oder das kühle Nass der Isar auch sein mag. Klingt für so manchen Hundehalter geradezu paradiesisch: kein Zerren an Hundeleinen, kein Hinterherjagen, wenn der Hund sich einmal blitzschnell aus dem Staub macht.

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Als Hundepsychologin verbringt sie sehr viel Zeit in der freien Natur – und genießt diese auch. „Nur leider sind die Zecken hier in Bayern eine Katastrophe.“ Erst vor kurzem hatte Sammy eine Zecke in der Achselhöhle sitzen. Die Einstichstelle hat sich trotz schneller Entfernung der Zecke entzündet. „Wenn ich Sammy und Stella nicht mit Repellents einsprühen würde, hätten sie vermutlich tagtäglich Zecken. Die Achseln, der Nacken und die Innenseite der Schlappohren sind dabei besonders beliebte Ziele.“ Damit die Zecken bei einem Übersprung auf die menschlichen Familienmitglieder keine Infektionen durch FSME-(Frühsommer-Meningoenzephalitis-)Viren auslösen können, ist die Familie selbstverständlich vorsorglich gegen FSME geimpft. Die gesamte Geschichte finden Sie hier!

Das Kürzel FSME steht für die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis.

Dabei ist der Name aber nicht Programm, denn irrtümlicherweise besteht das Risiko nicht nur im Frühsommer. Das FSME-Virus gelangt über den Speichel einer infizierten Zecke mit dem Stich in die Wunde und somit in die Blutbahn des Menschen. Zecken sind aber nicht erst und nicht nur im Frühsommer aktiv, sondern sobald es an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen mindestens sieben Grad Celsius warm ist, sprich in der Regel von Februar bis Oktober.

Warum die Bezeichnung Frühsommer?

FSME ist eine Erkrankung der Hirnhaut und des zentralen Nervensystems. Die Infektionskrankheit verläuft bei Betroffenen typischerweise in zwei Phasen. Sie beginnt mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Ähnlich einer Sommergrippe. Daher der Name. Aber die FSME ist unabhängig von der Jahreszeit. Bei manchen Patienten ist die Erkrankung nach wenigen Tagen überstanden. Bei anderen tritt sie dann in die zweite Phase ein, in der das Virus das zentrale Nervensystem befallen kann. Die mildeste Form ist in diesem Fall eine Hirnhautentzündung (Meningitis), die sich durch hohes Fieber, starke Kopfschmerzen und häufig Nackensteifigkeit bemerkbar macht. Eine schwere Form der FSME ist die Gehirn- und Rückenmarkentzündung. Hier sind nicht nur die Hirnhaut, sondern das ganze Gehirn und die Nervenwurzeln von der Erkrankung betroffen. Es kann neben den Symptomen einer Hirnhautentzündung auch zu Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen, zu psychischen Veränderungen oder bestimmten Lähmungen am Körper kommen. Eine FSME, die einmal ihren Lauf genommen hat, ist nicht ursächlich behandelbar. Zwar können die Symptome medizinisch gelindert, eine bestehende FSME-Infektion aber nicht geheilt werden – daher ist die Vorsorge besser.

FSME Checkliste Gassi

Wie kann man sich vor einer FSME-Infektion schützen?

Festes Schuhwerk, lange, am Körper anliegende Kleidung und Socken über der Hose erschweren es Zecken, Zugang zu einem freien Stück Haut zu finden. Helle Kleidung ist zwar schmutzanfälliger, Zecken heben sich darauf aber deutlicher ab und sind somit besser zu entdecken. Zudem gibt es sogenannte Repellents, deren Geruch Zecken und Mücken vom Stechen abhält. Auch das gründliche Absuchen nach den kleinen Spinnentieren nach der Rückkehr von jedem Ausflug sollte zum Pflichtprogramm gehören. Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Maßnahmen kann ein Impfschutz gegen FSME dazu beitragen, das Infektionsrisiko mit dem Virus bei einem Zeckenstich zu minimieren. Besonders für die FSME-Risikogebiete im Süden Deutschlands empfiehlt die ständige Impfkommission allen Bewohnern, sich gegen FSME impfen zu lassen. Aber auch Menschen, die Urlaub in Bayern, Baden-Württemberg, im südlichen Thüringen oder in anderen Risikogebieten Europas planen, sollten sich über die Impfung informieren.

Informationen rund um Zecken und die optimale Vorsorge: www.zecken.de

 

Anmerkung der tierspiegel-Redaktion

 

FSME und Hunde

Eine Erkrankung beim Hund wurde erstmals 1972 beschrieben, weitere Fälle tauchten in den nachfolgenden 20 Jahren nur sporadisch auf. Auch seroepidemiologische Untersuchungen an Hunden fanden nur in sehr begrenztem Umfang statt. Dies läßt sich u.a. darauf zurückführen, daß ein geeignetes Testsystem für die Diagnose der FSME beim Hund nicht zur Verfügung stand. Erst seit Mitte der 90er Jahre - mit Einführung von sehr sensitiven ELISA-Testsystemen auch für die Tierart Hund - häufen sich die Literaturberichte über klinische Fälle beim Hund. Seitdem durchgeführte seroepidemiologische Studien zeigen, daß Hunde relativ häufig (bis zu 30% in bestimmten Gebieten) mit dem FSMEV Kontakt haben, ohne zu erkranken. Der Hund scheint gegenüber dieser Infektion recht resistent zu sein, wahrscheinlich aufgrund einer geringeren Neuroinvasivität des Virus. Für eine Erkrankung müssen also zusätzliche Faktoren wie z. B. eine Immunschwächung durch andere Infektionen/Erkrankungen vorliegen. Eine echte Prädisposition durch Rasse, Geschlecht oder Alter konnte bislang nicht festgestellt werden, jedoch erkranken meist Hunde großer Rassen, evtl. weil sie eine größere Angriffsfläche für die Zecken bieten. In einer Studie wurden Antikörper häufiger bei Hunden mit den Merkmalen "langes helles Fell" und "häufiger Waldkontakt" gefunden. Wenn Hunde erkranken, handelt es sich wie beim Menschen um Fälle mit sehr schwerwiegendem Verlauf. Die FSME sollte daher bei Hunden mit neurologischen Symptomen, die sich in einem endemischen Gebiet aufgehalten haben, immer differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden. Als wichtigste Differentialdiagnosen gelten Staupe, Tollwut und Borreliose.

Klinische Untersuchungen können zur FSME u.a. bei LABOKLIN, dem LABOR FÜR KLINISCHE DIAGNOSTIK durchgführt werden.

Therapie

Die Therapie kann nur symptomatisch erfolgen. Die Schwere der klinischen Erscheinungen wird i.d.R. eine stationäre Aufnahme nötig machen. Die einzelnen Symptome werden nach ihrem Auftreten behandelt. Eine antibiotische Abdeckung zur Vermeidung sekundärer Infektionen sollte durchgeführt werden. Der Einsatz von Cortison wird in der Literatur kontrovers diskutiert, einen positiven oder negativen Einfluß auf den Krankheitsausgang kann man zur Zeit nicht abschätzen. Als wichtigen Bestandteil der Therapie beschrieb eine Fallstudie die Maßnahmen zur Dekubitus- und Pneumonieprophylaxe sowie die Durchführung einer Physiotherapie. Dabei wurden die Patienten auf Luftmatratzen gelagert, regelmäßig gewendet und die Gliedmaßen mehrmals täglich passiv gebeugt, gestreckt und massiert.

Es gibt leider zur Zeit keinen für den Hund zugelassenen Impfstoff gegen FSME, aber gegen, die auch von Zecken übertragende Erkrankung, Borreliose!

 

 

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