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2 Foto Lisa P SchroeterFoto: Lisa P. Schröter

Tipps und Regeln für die ersten Wochen und auch für die Zeit danach!

Nachdem wir uns im Beitrag "Der Hund ist da!" die Grundausstattung für neue Hundebesitzer angesehen haben, möchte ich Ihnen heute zeigen, wie Sie die ersten Tage mit dem Welpen in seinem neuen Heim an besten überstehen!

Grundsätzlich sollten wir uns immer vor Augen halten, dass gerade der Umzug des ggf. erst acht Wochen alten Welpen, für ihn die größte Veränderung in seinem bisherigen Leben ist. Seine bisherigen Bezugspunkte, seine Geschwister und seine Mutter, sind auf einmal nicht mehr da und er muss sich auf seine neue Familie einstellen, die wahrscheinlich nur aus Zweibeinern besteht.

Daher wird selbst schon die Fahrt ins neue Heim den Welpen sehr stressen. Hier sollte man dafür sorgen, dass ihn dort nicht noch ein riesiges Empfangskomitee erwartet. Lieber sollte der Welpe sein neues Heim erster Ordnung in Ruhe erkunden können.Foto Lisa P SchroeterFoto: Lisa P. Schröter

Merken Sie, dass der Welpe nun langsam müde wird, sollten Sie ihm ein wenig abseits auf seine Decke legen und in Ruhe lassen. Die Ruhe braucht er, um die neuen Eindrücke verarbeiten zu können. 

Auch wenn jetzt alle Freunde und Nachbarn den neuen Hausgenossen kennenlernen wollen, sollte Sie den Welpen nicht überlasten! In der Regel zeigen auch junge Hunde ganz klar an, wenn es ihnen zu viel wird. Immer dann, wenn der Welpe sich zurückziehen will, ist es der Moment gekommen, an dem er eine Auszeit braucht. Hier den Welpen in der Stresssituation zu belassen, kann schwerwiegende Folgen haben, die bis in genereller Angst gegenüber Besucher münden kann

Ich will Sie hier nicht extrem verunsichern, aber Fehler, die gerade in den ersten Lebensmonaten des Welpen gemacht werden, können weitreichende Folgen in seiner Persönlichkeit und Entwicklung haben. Daher sollten Sie immer ihren Welpen im Auge behalten und ihm, sobald er Ermüdungssignale zeigt, eine Auszeit gönnen.

Stubenreinheit

Das erste größere Problem, mit dem Sie fertig werden müssen, ist die Stubenreinheit des Welpen. Das ist im Grunde nicht schwer und zeigt Ihnen hier schon einmal die Grundlagen des Lernverhalten unserer Hunde auf.

Wenn Sie einen sehr guten Züchter haben, werden Sie wahrscheinlich nun einen Welpen besitzen, der schon oder wenigstens fast stubenrein ist. Für alle anderen zeige ich mal kurz, wie das mit dem kleinen und großen Geschäft so läuft!

Als Grundregeln sollte man sich merken, dass der Welpe nie dafür bestraft werden sollte, wenn er mal ein Bächlein in der Wohnung laufen lässt. Gerade in dieser Anfangsphase der Mensch-Hund-Beziehung kann man diese sehr nachhaltig stören, indem man sich so verhält, dass der Welpe vor einem Angst bekommt.

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Der bessere Weg wäre, ganz kommentarlos die Pfütze weg zu wischen. Wenn sich der Welpe gerade anschickt das Bächlein laufen zu lassen, sollte man ihn hinter den Vorderläufen greifen und hoch nehmen. Fast automatisch rollt sich das Hinterteil des Welpen ein und der Bach versiegt. Jetzt kann man den Welpen nach draußen bringen und dort darf er sein Geschäft verrichten. Hat alles geklappt, bekommt er natürlich ein Leckerchen.

 

 

 

Am Besten sollten Sie hier ein paar Grundregeln nicht vergessen, damit Sie nicht zu oft nasse Füße bekommen:

  • alle zwei Stunden muss der Welpe raus
  • nach dem Fressen muss der Welpe raus
  • nach dem Trinken natürlich auch
  • nach dem Wachwerden
  • nach dem Spielen
  • und immer dann, wenn der Welpe unruhig wird

Wenn Sie den Welpen immer loben, wenn er draußen sein Geschäft macht, wird es sehr schnell gehen mit der Stubenreinheit. Sollten Sie nachts aber Probleme haben, binden Sie sich ein Band ums Handgelenk, die Sie am Halsband des Welpen befestigen. Sobald der Welpe unruhig wird, merken Sie das und können mit ihm vor die Tür gehen.

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Durch das Lob, wenn der Welpe etwas richtig gemacht hat, wird er dieses Verhalten öfters zeigen. Diese Grundregel im Lernen des Hundes sollten Sie sich unbedingt merken. Wenn Sie Verhalten, das Sie bei Ihrem Hund gerne sehen wollen immer belohnen, wird er dieses Verhalten öfter zeigen, da er weiß, dass er dafür eine Belohnung bekommt. Die meisten Hunde wollen uns ja gefallen und werden so recht gut in die Richtung gesteuert, in die wir sie haben wollen.

Diese Lernform nennen wir die positive Verstärkung oder Konditionierung. Sie ist die Grundlage der modernen Hundeerziehung. Wenn Sie diese verinnerlichen, wird die Hundeschule für Sie und ihrem Hund ein Klacks!

Alleinsein

Das andere, was der Hund unbedingt von Anfang an lernen muss, ist das Alleinesein. Im Idealfall haben Sie sich zwei bis drei Wochen Urlaub genommen, damit die Eingewöhnung für den Welpen angenehmer ist. Nach dem Urlaub müssen Sie dann wieder für acht Stunden arbeiten und lassen den Welpen alleine zuhause. Die meisten Welpen kommen damit nicht klar!

Der Hund, als hoch soziales Wesen, lebt in einer Gemeinschaft mit anderen (Rudel). Für den Hund ist es nicht natürlich, alleine zu bleiben. Er muss das lernen. Nehmen wir unseren Welpen: Erst waren da die Geschwister und die Mutterhündin, zusätzlich noch der Züchter. Später kamen Sie dann und Ihre Familie. Und plötzlich: so von jetzt auf gleich ist keiner mehr da!. „Oh Mist“, denkt sich da der Welpe, „ich bin alleine!!!“ In diesem Moment kommt dann die Panik hoch. Erst wird gejault, damit die Rudelgenossen zurückkommen. Dann wird an der Türe gekratzt, weil, man ja raus, und hinter seinen Menschen her laufen will!

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Wenn Sie das nicht wollen, üben Sie schon in Ihrem Urlaub mit dem Welpen das Alleinsein. Sie gehen aus dem Zimmer, schließen die Türe und machen sie sofort wieder auf. Da der Welpe gar nicht richtig gemerkt hat, dass Sie weg waren, fängt er auch nicht an zu jaulen, daher bekommt er dafür ein Leckerchen. Mit der Zeit bleiben Sie immer länger außerhalb des Raumes und bei jeder Rückkehr wird der Hund für ruhiges Verhalten belohnt.

Ist der Welpe in Ihrer Abwesenheit ruhig über mehrere Minuten, gehen Sie dazu über, die Wohnung zu verlassen. Auch hier erst nur sehr kurz, und wenn der Welpe ruhig bleibt immer länger. So können Sie sicher sein, dass der Welpe in Ihrer Arbeitsabwesenheit keinen Verlassensängsten ausgesetzt ist.

Wenn der Welpe während der Übung doch zu Jaulen beginnt, sind Sie zu schnell vorgegangen. Gehen Sie hier in Ihren Übungen lieber noch einmal ein paar Schritte zurück. Auch sollten Sie nicht zurück ins Zimmer gehen, wenn der Welpe jault, sondern warten, bis er eine Minute Pause macht. Sonst lernt der Welpe, dass Sie zurückkommen, wenn er jault. Und das sollte nicht Ihr Ziel sein.

Grundlegendes Lernverhalten

Bisher kannte der Welpe nur seine Wurfgeschwister, seine Mutter, den Züchter und im Idealfall hat er Sie schon als Besucher kennen gelernt. Jetzt ist es aber so, dass der Welpe zu Ihnen nach hause kommt und Sie und Ihre Familie sein neues Rudel werden. Daher ist es von Anfang an sehr wichtig, dass er Sie und alle Rudelmitglieder erst einmal positiv erfährt.

Das heißt vereinfacht: Alles, was der Welpe an Verhaltensweisen zeigt, die Sie gerne bei ihm sehen (z.B. zu Ihnen schauen, freudiges Herankommen, etc.), wird von Ihnen belohnt! Verhaltensweisen, die belohnt werden, werden öfters und gerne wiederholt.

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Da wir gerade beim Belohnen sind, schauen wir uns auch kurz einmal die Strafe an. Stark vereinfacht wirkt Strafe entgegengesetzt zur Belohnung. Das heißt Verhaltensweisen, die bestraft werden, werden seltener gezeigt. Nur wie sollte so eine Strafe aussehen. Auf gar keinen Fall Gewalt, da dies den Bindungsaufbau hemmt, bzw. auch zerstören kann. Zeigt der Welpe eine Verhaltensweise, wie z. B. Hochspringen, drehen Sie sich weg. Der Welpe wird nicht belohnt, also zeigt er das Hochspringen seltener. Oder ignorieren Sie das Fehlverhalten. Nach dem Hochspringen versucht der Welpe weiterhin sehr aufbrausend, Sie anzuspringen. Sie haben sich ja schon weggedreht, und jetzt heißt es aktiv ignorieren. Sie stehen mit dem Rücken zum Welpen, kein Ansehen, kein Ansprechen und wenn er versucht sie zu umrunden, drehen Sie sich weiterhin so, dass er nur Ihren Rücken sieht. Sobald er eine Verhaltensweise zeigt, die Sie haben wollen (z. B. Sitz), drehen Sie sich um und loben ihn.

Spielabbruch ist auch eine gute Möglichkeit, dem Welpen zu zeigen, dass er zu weit gegangen ist. Da Spielen ja eine Lieblingsbeschäftigung unserer Welpen ist und wir natürlich die Lieblingsspielpartner sind, kann es sein, dass uns der Welpe mit seinen Milchzähnen zwickt. Sofort hören wir mit dem Spiel auf und sagen schrill: „Auauauau!“. Der überraschte Hund hört sofort auf und weiß meist, dass er zu weit gegangen ist.

2 Foto Lisa P Schroeter

Mit diesem kleinen Artikel haben Sie schon eine ganze Menge über das Lernverhalten Ihres Welpen gelernt. Für die gute Welpenentwicklung ist es wünschenswert, dass Ihr neuer Begleiter, so oft wie möglich positive Erfahrungen macht. Alles was er als Welpe mit positiven Gefühlen kennen gelernt hat, dem wird er auch als erwachsener Hund positiv begegnen. Grundsätzlich wird ein so erzogener Welpe, später tendenziell weniger Angst in neuen, fremden Situationen zeigen und wird dementsprechend wesentlich einfacher zu steuern sein, als ein Hund, der diese Erfahrungen nicht gemacht hat.

 Artikel wurde erstellt von: Tierverhaltensberatung und Hundeschule Björn Eickhoff
Web: www.pfotentrainer.com

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Über den Autoren

Björn Eickhoff

Björn Eickhoff

Im Jahr 2005 beendete Björn Eickhoff seine Ausbildung zum Tierpsychologe (ATN) für Hund und Katze und eröffnete seine eigene Praxis als Tierverhaltensberater in Wuppertal. Dort spezialisierte er sich komplett auf die Lösung von Verhaltensprobleme ...