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Regel ist Regel und Ausnahmen dürfen hier nicht die Regel bestätigen!

Wenn man Hörzeichen bei Welpen und jungen Hunden aufbauen will, muss man das Instrument der positiven Verstärkung nutzen. Über Leckerchen und sehr viel Lob wird dem Hund beigebracht, was der Mensch von ihm will.

So wird er motiviert ein Hör- und/oder ein Sichtzeichen umsetzen zu wollen, da er ja etwas Begehrtes bekommt. Nach einiger Zeit und vielen Wiederholungen in den Übungen wird der Hund sehr zuverlässig auf die jeweiligen Zeichen reagieren. Nun ist es Zeit langsam aber konsequent die Leckerchen zu reduzieren.

thumb C062961Fotos: © M.GrogerSpäter im Training muss der Hund dann lernen, dass sein MEnsch etwas von ihm fordert, ohne dass er direkt eine Gegenleistung bekommt. Setzt er die Forderung nicht um, muss er mit einer Konsequenz rechnen. Konsequenz ist ein wichtiges Mittel in der Hundeerziehung und sollte vernünftig umgesetzt werden. Konsequenz gibt dem Hund einen Rahmen vor, in dem er sich verhalten kann. Sie zeigt ihm auf, welche Folgen sein Verhalten haben kann. Dadurch, dass diese Folgen aber auch für den Hund im Vorfeld klar sind, kann er ein Verhalten entwickeln, das von seinem Halter erwünscht ist und macht das Miteinander für Hund und Mensch einfacher und kalkulierbarer.

Weniger Leckerchen

Ein erster Schritt ist es, dem Hund nicht mehr das Leckerchen zu zeigen und dann das Zeichen zu geben, damit der Hund folgt. Sondern es sollte nichts in der Hand sein. Auch ein Ruhen der Hand in der Futtertasche oder ein Rascheln der Leckerchen-Tüte sollte vermieden werden. Nun wird das Hörzeichen gegeben und nachdem der Hund es befolgt hat, bekommt er das Leckerchen.

Nach und nach wird nun das Leckerchen ausgeschlichen. Das heißt, dass der Hund nicht mehr bei jedem befolgten Hörzeichen ein Leckerchen bekommt. Anfangs sollte es nur bei jedem zweiten Mal erfolgen und dann nach jedem dritten. Da Hunde aber sehr clever sind, bekommen sie sehr schnell den Intervall mit, wenn man regelmäßig belohnt. Daher sollte man versuchen sehr variabel mit der Gabe von Leckerchen sein. So wird die Erwartungshaltung des Hundes erhöht und er folgt bereitwilliger den Hörzeichen. Er muss also nicht jedes Mal was bekommen, aber für ihn muss die Möglichkeit bestehen, dass er sich etwas verdienen könnte.

Erwachsenwerden

Gerade wenn der Hund langsam geschlechtsreif wird, hat man eine Phase, da schalten seine Ohren oft auf Durchzug. Das ist normal für das Alter und es kommt bei fast allen Hunden vor. Oft geht es einher mit einer leichten Aufmüpfigkeit! Der Hund versucht seinen Platz im Rudel zu finden ,testet seine Menschen leicht an und versucht so zu schauen, wie weit er gehen kann. Es ist der Versuch seinen Rang im Rudel zu finden.

Dieser ist natürlich nicht bei allen Hunden gleich stark ausgeprägt. Einige versuchen gerade den Hierarchieaufstieg sehr vehement, andere sind nach ein oder zwei Versuchen, mit ihrem Status Quo zufrieden.

Durchsetzen von Hörzeichen

Hier wird dann die Durchsetzung von Hörzeichen sehr wichtig. Man nimmt den Hund in die Pflicht, das gegeben Hörzeichen auch umsetzen zu müssen, wenn kein Leckerchen da ist. Das hört sich recht hart an, muss aber sein! Gerade ein Rückruf muss in jeder Situation klappen. Da sollte kein „Ich hab dich gehört, aber ich schnüffel einfach mal weiter“ oder ein „Da ist ein anderer Hund, du bist mir egal“ erfolgen. Wenn man einen Hund zurück ruft muss er kommen. Je öfter man dieses Verhalten durchgehen lässt, umso mehr weicht man generell die Hörzeichen auf, bis sie gar nicht mehr klappen.

Also muss man ein Hörzeichen umsetzen können, sobald man es gibt. Ist der Hund im Nahbereich, funktioniert das in der Regel noch ganz gut. Aber sobald er im Freilauf ist, wird mit jedem Meter Entfernung die „Mentale Leine“ dünner und es wird immer schwerer, den Hund zu sich zu rufen.

Daher sollte man gerade in dieser Phase der Hundeentwicklung auf eine Schleppleine zurückgreifen. Der Hund hat zwar etwas Freiheit, muss aber einen bestimmten Radius zu seinen Menschen einhalten. Sobald ein Hörzeichen erfolgt, muss er es umsetzen. Tut er dies, ist das super. Tut er dies nicht, so muss man durchaus mal die Schleppleine einsetzen. Hier erfolgt dann ein leichter und kurzer Zug an der Leine, damit der Hund an seinem Halsband merkt, dass sein Mensch etwas will.

Dieser Zug sollte nicht zu fest sein, da wir mit zu einer heftigen Zugbewegung am Halsband die Wirbelsäule des Hundes schädigen können. Es sollte eher eine Form des Hinweises an den Hund sein, dass sein Mensch doch etwas von ihm will. Erst wenn die Hörzeichen an der Schleppleine zu 100 Prozent funktionieren, darf der Hund tatsächlich auch in den Freilauf. Das Maß an Freiheit wird somit immer bestimmt durch das Maß an Gehorsam!

Es hat keinen Sinn ein Hörzeichen zu wiederholen, wenn der Hund beim ersten Mal nicht gehört hat. Man weicht dadurch das Zeichen nur auf. Der Hund lernt dabei, dass es egal ist, auf seinen Menschen zu hören und fängt an, einfach das zu tun, wozu er einfach Lust hat. Sinnvoller wäre es, das Hörzeichen einmal zu geben und dann die direkte Möglichkeit zu habe es einzufordern. Hat man den Hund an der Schleppleine oder an der normalen ist das noch relativ einfach. Im Freilauf wird es da schon schwieriger. Es gibt natürlich auch hier einige Möglichkeiten, doch noch das Hörzeichen umzusetzen.

Einmal kann man über die Körpersprache Druck aufbauen, indem man sich groß macht, hörbar die Luft einzieht und zusätzlich fest mit einem Fuß aufstampft. Die meisten Hunde erkennen sofort, dass ihr Mensch nun verärgert ist und kommen dem Hörzeichen nach. Beim Rückruf arbeitet man in der Regel aber nicht mit dieser konfrontativen Körpersprache! Dies würde den Hund nur veranlassen nicht zu einem zu kommen. Hier wäre die entgegengesetzte Körpersprache wesentlich hilfreicher. Man macht sich klein, geht in die Hocke, nutzt eine höhere Stimme und bewegt sich vom Hund weg. Der Hund wird dies eher als Spielaufforderung werten und in einem Großteil der Fälle zu seinem Menschen kommen.

Natürlich gibt es auch die Fälle, in denen man auf keiner der oben genannten Arten seinen Hund dazu bewegen kann, ein Hörzeichen umzusetzen. Dann hat man eigentlich nur die Möglichkeit, ihn an die Leine zu nehmen. Hier sollte man aber konsequent zu sich selber sein und sich eingestehen, dass ein Hörzeichen noch nicht klappt. Daher muss das Hörzeichen noch einmal von Grund auf dem Hund beigebracht werden. Erst wenn es zuverlässig funktioniert, kann man dann wieder in den Freilauf mit dem Hund gehen.

Konsequenz

Grundsätzlich sollte man sehr konsequent in der Hundeerziehung sein. Festgelegte Regeln sollten auch festgelegt bleiben. Menschen haben aber im Grunde genommen ein Problem mit konsequenten Regeln. Die berühmte Ausnahme für die Bestätigung der Regel ist hier nämlich allgegenwärtig. Nur beim Hund ist die Ausnahme von der Regel das Ende der Regel!

Einmal etwas erlaubt, heißt immer etwas erlaubt. Einmal etwas verboten, muss es immer verboten werden. Dass sollte für alle Hundehalter eigentlich ganz einfach sein, ist es aber nicht. Dem berühmten „Dackelblick“ kann kaum einer widerstehen. Genauso ist es mit den Hörzeichen. Ein einmal festgelegtes Hörzeichen muss immer gleich erfolgen. „Sitz“ ist nicht gleich „Setzt dich hin“ oder „Setzen“. „Hier“ ist nicht „Komm“, „Komm her“ oder „Komm endlich“. Hier muss der Mensch konsequent in seinem Vokabular sein, ansonsten klappt es nicht mit dem Hund.

Wie man sieht, ist es gar nicht so einfach einen Hund zu erziehen. Und doch ist es so ungemein wichtig. Hörzeichen müssen unter allen Umständen funktionieren, damit ein Hund steuerbar für seinen Halter ist. Dies minimiert eine Gefährdung für den Hund selbst und erspart einem Ärger, wenn der eigene Hund nicht hört und Rechte Dritter einschränkt.

Ein verdreckter Mantel ist dabei noch das kleinste Übel und ist mit einer bezahlten Reinigung schnell aus der Welt gebracht. Aber ein Hund, der trotz Hörzeichen auf die Straße läuft und einen Unfall mit Personen- und Sachschäden verursacht, spielt in einer ganz anderen Liga und sollte tunlichst vermieden werden.

Über den Autoren

Björn Eickhoff

Björn Eickhoff

Im Jahr 2005 beendete Björn Eickhoff seine Ausbildung zum Tierpsychologe (ATN) für Hund und Katze und eröffnete seine eigene Praxis als Tierverhaltensberater in Wuppertal. Dort spezialisierte er sich komplett auf die Lösung von Verhaltensprobleme ...