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Aufmacher Djuke Sitz im Fuß linke Hand 4.8.09003-1Grundschule für Hunde Teil 2 - Foto © K. Schröter

Im ersten Teil der Hundegrundschule habe ich Ihnen gezeigt, wie wir ein Hörzeichen beim Hund aufbauen müssen, damit er unser gesprochenes Wort mit seiner Handlung richtig verknüpft. Die ersten Basishörzeichen „Hier", „Sitz" und „Platz" habe ich danach dann auch noch vorgestellt.

Eigentlich reichen diese Basishörzeichen durchaus aus, damit der Mensch seinen Hund schon steuern kann und so könnten wir eigentlich aufhören, dem Hund etwas beizubringen! Aber so einfach ist das Leben mit einem Hund nun einmal nicht und es gibt noch eine ganze Menge Hörzeichen mehr, die ein Hund können sollte, damit er gut lenkbar ist.

 

 

Auflösehörzeichen

Wirklich wichtig für jedes Hörzeichen ist ein entsprechendes Auflösehörzeichen. Generell sollte der Hund jedem Hörzeichen so lange nachkommen, bis das Auflösehörzeichen gegeben wird. Als Auflösehörzeichen eignen sich Worte wie „Lauf", „Los gehts", „Auf gehts" oder „OK". Wir sollten aber kein Wort nutzen, mit dem wir in der Regel den Hund stimmlich loben. Ein „Gut" kann den Hund beispielsweise ermutigen das Sitz zu verlassen, obwohl er noch bleiben sollte und wir ihn eigentlich nur loben wollten.

Das Hörzeichen können wir eigentlich sehr schnell einführen, indem wir immer dann, wenn wir den Hund von der Leine lassen unser Auflösehörzeichen geben. Grundsätzlich sollten wir uns von Anfang an angewöhnen, den Hund absitzen zu lassen, bevor wir die Leine lösen. Der Hund kann so nicht um uns herum springen und muss sich erst einmal ein wenig herunter fahren, bevor er in den Freilauf kann.

Sobald wir dann das Auflösehörzeichen nach jedem befolgten Hörzeichen geben, wird der Hund sehr schnell lernen, was es damit auf sich hat. Gerade bei den einfachen Hörzeichen, wie „Sitz" und „Platz", stehen wir ja direkt neben dem Hund und können so dafür sorgen, dass er nicht direkt nach dem Lob losstürmt. Wir können ihn einfach am Halsband festhalten und ihn erst mit dem Auflösehörzeichen entlassen.

Fuß und Hand

Es gibt Situationen, da ist es wichtig, dass unser Hund neben uns läuft. Sei es an einer Straße ohne Bürgersteig oder in der City oder einfach an ein paar Fremden im Wald vorbei.

Dabei läuft unser Hund meist links neben seinem Menschen! Dies hat gerade an der Straße ohne Bürgersteig große Vorteile. Grundsätzlich sollten wir da so laufen, dass wir uns auf der Seite des Gegenverkehrs befinden, damit wir nicht von vorbeifahrenden Autos überrascht werden. In diesem Fall läuft der Hund zwischen uns und dem Fahrbahnrand und ist so außerhalb des Gefahrenbereich des entgegenkommenden Fahrzeuges.

Aber auch im Wald halte ich es für einen Vorteil, dass wir unseren Hund an unsere Seite nehmen. Wenn Jogger, Radfahrer oder normale Fußgänger an uns vorbei gehen, sollte der Hund in unserem Einflußbereich sein, damit andere nicht gefährdet werden.

Aufgrund meiner Erfahrung sollten wir uns überlegen, ob wir das bei Fuß gehen nicht mit zwei Hörzeichen verknüpfen wollen, je nachdem, auf welcher Seite der Hund läuft. Das Hörzeichen „Fuß" sollte erfolgen, wenn der Hund links von uns läuft und „Hand", wenn er rechts läuft.

Aufbau der Hörzeichen FUSS und HAND

4 Djuke Rechts im Gehen rechte HandRechts im Gehen rechte Hand - Foto Kerstin Schröter

Der Aufbau ist sowohl für „Fuß" wie auch „Hand" gleich. Ich habe da einen schönen Aufbau aus dem Dogdancing!

Wir stellen uns gegenüber von unserem Hund hin und bieten ihm ein Leckerchen an. Der Hund wird sich natürlich in Bewegung setzen und versuchen, das Leckerchen zu erreichen. Sobald er fast auf unserer Höhe ist, drehen wir uns um 180 Grad und so läuft der Hund an unserer Seite. Nach ein oder zwei Schritten bekommt er das Leckerchen und darf wieder seiner Wege ziehen.

2 Djuke Fuß im Gehen linke HandFuß im Gehen linke Hand - Foto © Kerstin Schröter

Mit jeder Wiederholung können wir die Wegstrecke um einen Schritt erweitern. Dabei sollten wir den Hund stimmlich loben. Hier funktioniert es sehr gut, wenn wir das Lob immer mal wieder unterbrechen und das Hörzeichen sagen. Je weiter der Hund dann geht, umso öfter hört er neben dem Lob auch das Hörzeichen, das sich so sehr schnell bei ihm festsetzt.

Persönlich halte ich es nicht für sinnvoll, den Hund lange Strecken bei Fuß laufen zu lassen. Ich kenne viele Hunde, die es einfach nicht schaffen wenige Meter so neben ihrem Menschen her zu laufen, ohne von ihm permanent motiviert zu werden. Daher nutze ich diese Hörzeichen auch wirklich nur, um einen Gefahrpunkt zu umrunden.

Nein und Aus

Natürlich müssen wir unseren Hunden auch mal klar machen, dass sie etwas nicht dürfen oder nicht alles ins Maul nehmen sollen. „Nein" und „Aus" sind dabei zwei sehr nützliche Hörzeichen, die wir aber strikt von einander trennen müssen.

Ich sehe sehr viele Hundehalter, die diese Trennung, im Eifer des Gefechts mit ihrem Hund, nicht auf die Reihe bekommen. Da wird „Aus" gebrüllt, obwohl „Nein" gemeint ist und der Hund macht natürlich gar nicht, was er soll.

Also hier ist die strikte Regel:

„Nein" = Lass sofort alles sein, was Du gerade tust!

„Aus" = Lass sofort alles fallen, was Du gerade im Maul hast!

Die Herangehensweise an beide Hörzeichen ist sehr unterschiedlich! Wird „Aus" eher wie ein Tauschgeschäft aufgebaut, so muss man bei „Nein" dem Hund wirklich etwas wegnehmen und arbeitet so mit dem Frust des Hundes!

Aufbau des Hörzeichens AUS

Hierzu benötigen wir ein Hundespielzeug und begehrte Leckerchen. Zuerst spielen wir ein wenig mit dem Hund und überlassen ihm schließlich das Spielzeug. Wenn er es im Maul trägt, zaubern wir das begehrte Leckerchen hervor. Da der Hund nicht beides haben kann, wird er sein Spielzeug wahrscheinlich fallen lassen. Wenn er dies tut, geben wir ihm das Leckerchen.

So gehen wir einige Male vor, bevor wir das Hörzeichen „Aus" einführen. Nach und nach kann man erst das Hörzeichen geben und dann das Leckerchen hervorholen. Später lassen wir dann das Leckerchen weg.

Aufbau des Hörzeichens NEIN

Wie schon gesagt, arbeiten wir bei diesem Hörzeichen mit der Frustration des Hundes. Dies wird dadurch erzeugt, dass wir dem Hund etwas wegnehmen müssen, das er gerne haben möchte.

Wir legen ein Leckerchen in unsere geöffnete Handfläche und bieten ihm dieses mit den Worten „Nimms" an. Er wird es natürlich nehmen. So bekommt er von uns einige Leckerchen. Irgendwann halten wir ihm nur eines hin und wenn er mit der Schnauze heran möchte, schließen wir die Handfläche und sagen „Nein".

Der Hund wird zurückgehen und so öffnen wir wieder die Hand. Will er nun wiederum an das Leckerchen, schließen wir die Hand wieder und geben das Hörzeichen „Nein".

Je öfter wir das wiederholen, umso eher werden wir merken, dass wir die Hand nicht mehr schließen müssen, sondern dass der Hund auf unser „Nein" achtet und es befolgt.

Bleib

Ich hatte vor einiger Zeit eine interesssante Diskussion über das Hörzeichen „Bleib". Da war jemand der Meinung, dass dieses Hörzeichen eigentlich unnütz sei, da der Hund ja eh im „Sitz" oder „Platz" verbleiben muss, bis das Auflösehörzeichen kommt.

Dies ist eigentlich auch richtig. Aber der entscheidende Unterschied ist der, dass sich die menschliche Bezugsperson vom Hund entfernt. Bei „Sitz" oder „Platz" verbleibt der Mensch meistens bei seinem Hund.

Also ist „Bleib" immer dann wichtig, wenn wir uns von dem Hund entfernen wollen. Hierbei müssen wir uns aber vor Augen halten, dass der Hund immer bei seinem Menschen bleiben will und daher anfangs folgt, wenn wir uns weit von ihm weg bewegen wollen. Daher fangen wir auch hier ganz klein an!

Aufbau des Hörzeichens BLEIB

5 Djuke Bleib  im SitzBleib im Sitz - Foto © Kerstin Schröter

Als Sichtzeichen nutzen wir die Hand, die, wie beim Stopp, mit der Handfläche zum Hund ausgestreckt wird. Sobald wir unseren Hund ins „Sitz" gebracht haben, beugen wir unserem Oberkörper leicht zum Hund hin und geben das Sichtzeichen. Für die meisten Hunde ist diese Körperhaltung neu und etwas bedrohlich und in den meisten Fällen, sind die Hunde so perplex, dass sie im „Sitz" verbleiben. Nun gehen wir einen Schritt zurück und kehren sofort zum Hund zurück und loben ihn für seine Meisterleistung.

6 Djuke Bleib im PlatzBleib im Platz - Foto © Kerstin Schröter

Mit jedem neuen Durchgang entfernen wir uns einen Schritt weiter vom Hund weg. Sobald wir die Entfernung von 2 Metern erreicht haben, können wir mit dem Hörzeichen anfangen. Nun werden Hörzeichen und Sichtzeichen gemeinsam gegeben. Hier ist es wichtig bei jeder Lernsitzung klein anzufangen. Weiss der Hund erst einmal wo es hin gehen soll, kann man die Entfernung schneller überbrücken.

Mit den Hörzeichen aus dieser Artikelreihe können Sie Ihren Hund jetzt schon sehr gut steuern. Aber der Hund lernt sein Leben lang. Da sollten wir versuchen, das Lernen auch weiterhin zu fördern. Im nächsten Artikel erfahren Sie mehr über Abwechselung im Training.

Verwendete Literatur: Die Hundegrundschule, McConnel/Moore, Kynos-Verlag, ISBN 978-3-938071-49-6 und ...darf ich bitten?, Theby/Hares, Kynos Verlag, ISBN 3-933228-40-9

Über den Autoren

Björn Eickhoff

Björn Eickhoff

Im Jahr 2005 beendete Björn Eickhoff seine Ausbildung zum Tierpsychologe (ATN) für Hund und Katze und eröffnete seine eigene Praxis als Tierverhaltensberater in Wuppertal. Dort spezialisierte er sich komplett auf die Lösung von Verhaltensprobleme ...