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Pferde richtig füttern bei Weidegang

Weidegang Sommer 1

Schaut man sich Pferde vor der Domestikation an, so wird schnell klar, dass die Ernährung des Pferdes von Urzeiten her immer naturgemäß war: statt Getreide und synthetischer Pülverchen und Pellets als Mineralfutter wurden Gras, Kräuter und Pflanzen gefressen.

Unsere Böden sind heute leider verarmt an natürlichen Kräutern und Pflanzen, die meisten Weiden enthalten lediglich Gras, daher sollte generell auch bei Weidehaltung eine naturgemäße Zufütterung von Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen in Form von Kräutern ansetzen.

Spezielle Pferdekräutermischungen, die für verschiedene Pferdeprobleme und zur natürlichen Mineralstoffversorgung entwickelt hat, enthalten zwar nur einen Bruchteil der Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine, wie sie in synthetischen Mineralfuttermitteln Verwendung finden, diese werden jedoch optimal verstoffwechselt und decken daher auch bei niedrigen Gehaltwerten den Bedarf.

Ein weiterer Vorteil der natürlichen Mineralstoffversorgung mit Kräutern liegt darin, dass diese für unterschiedliche Pferdeprobleme konzipiert wurden, also individuell zur Verfügung stehen. So wird das Pferd nicht nur natürlich mit Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen versorgt, sondern gleichzeitig wird auf ggf. vorhandene Probleme des Pferdes eingegangen. Bedenken, dass sich über eine naturgemäße Versorgung hinausgehende positive Eigenschaften des jeweiligen Krautes bei Dauerfütterung nicht aufrechterhalten lassen, kann ich aus der Praxis nicht bestätigen. Kräuter enthalten viele natürliche Mineralstoffe und Spurenelemente und wirken im Organismus basisch. Sie gleichen Übersäuerungszustände aus und tragen zu einem ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt bei. Ein unausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ist Ursache bzw. Mitursache zahlreicher Erkrankungen unserer Pferde. Viele Kräuter wirken zusätzlich entgiftend und helfen das körpereigene Schutzsystem aufzubauen und im Gleichgewicht zu halten.

Vor diesem Hintergrund ist ohne Ausnahme bei allen Pferden, Ponys & Eseln auch während der Weidesaison eine natürliche Mineralstoffversorgung (beispielsweise mit Nehls Horse Allround Kräuter-Fit) von Nöten.

Die optimale Fütterung bei Weidegang hängt indes von zwei Faktoren ab ...

Weidegang Sommer 2

  1. der Beschaffenheit der Weide:
    Ist die Weide grün und saftig, möglicherweise noch mit Weidelgrasbewuchs (ein sogenanntes Mastgras für Kühe) ist eine Zufütterung sowohl von Heu wie auch von Kraftfutter nicht von Nöten. Diese Grasbeschaffenheit reicht auch bei schwerfuttrigen und zu mageren Pferden bei 24-Stunden-Weidehaltung völlig als alleinige Fütterung aus und eine darüber hinausgehende Pferdefütterung wird damit überflüssig. Diese Weidebeschaffenheit ist jedoch keineswegs für gut im Futter stehende bzw. zur Fülligkeit neigende Ponys & Pferde anzuraten, da grünes saftiges „Mastgras“ im Umkehrschluss auch viele Krankheiten fördern kann. An erster Stelle stehen Stoffwechselstörungen, Hufrehe, EMS und Leberkrankheiten. Die saftige grüne Weide in Ganztagesbeweidung oder 24-Stunden Weidehaltung eignet sich daher keineswegs für jedes Pferd und sollte dem eher schwerfuttrigen, zu magerem Pferd oder dem in Leistung stehenden Pferd vorbehalten bleiben.Ein karger spärlicher Grasbewuchs hingegen, beispielsweise auf felsigen und steinigen Böden anzutreffen, eignet sich grundsätzlich für alle Pferde, Ponys & Esel. Die Weidezeiten sind jedoch auch bei eher spärlichem Bewuchs, überständigen braunen Gräsern oder kurzen beige-bräunlich gewordenen Gräsern nach dem Futterzustand zu gestalten. Unserem zu dick geratenen Haflinger kann auch diese Weide bei Ganztages- bzw. 24-Stunden-Beweidung zum Verhängnis werden, wenn dieser dort verfettet. Auch bei spärlichem Gras ist grundsätzlich der Futterzustand des einzelnen Pferdes ausschlaggebend für die jeweilige Weidezeit. Grundsätzlich sind diese Weiden jedoch erst einmal auch für unseren leichtfuttrigen Pferdefreund geeignet.
  2. dem einzelnen Pferd, der Arbeitsleistung sowie dem Futterzustand:
    Generell ist zu beachten, dass jedes Pferd einen ganz unterschiedlichen, ihm eigenen Stoffwechsel besitzt, der u. a. die Futterverwertung beeinflusst. Daher gilt insbesondere auch bei Weidegang, dass der Futterzustand sowohl die Weidezeiten, wie auch die Beschaffenheit der Weide und die darüber hinausgehende Fütterung bestimmen sollte. Ein weiterer Faktor ist die Leistung, die das einzelne Pferd erbringt. Da durch Bewegung und die Erbringung von Leistungen mehr Futter bzw. mehr Kalorien verwertet werden, hat das in Leistung stehende Pony & Pferd grundsätzlich einen höheren Bedarf, der durch mehr Futter gedeckt werden muss. Aber auch hier verrät uns der Futterzustand, inwieweit die Menge herauf- bzw. heruntergesetzt werden muss.

    In der Praxis erlebe ich häufig, dass kaum Abschläge an Kraftfutter und Rauhfutter bei Weidehaltung gemacht werden und die Beweidung kaum in die Fütterung mit einfließt. Bedenkt man, dass Pferde sich Natur gemäß ausschließlich von Gras ernährten, wirkt dies schon fast paradox.

Die Pferde verfetten zusehends, weil die Grasfütterung nicht entsprechend berücksichtigt wird. Abschläge müssen insgesamt bei Kraftfutter erfolgen und ( wir haben wieder den Futterzustand im Auge...) ggf. auch bei der Heufütterung. Letztlich zählt grundsätzlich das „Auge des Herrn“, was täglich geschärft werden sollte, da die Fütterung ständig überdacht und auf die tatsächlichen Gegebenheiten angepasst werden muss. Während der Vegetation sieht man beispielsweise täglich eine Gewichtszunahme, während heißer Sommer eher eine Abnahme des Gewichts bei Weidehaltung, da die Nährstoffe im Gras ebenfalls ständig den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden.

Text und Fotos: Tierheilkundezentrum Tierheilpraktikerin Claudia Nehls
Internet: www.tierheilkundezentrum.de

Claudia Nehls
Über den Autoren Claudia Nehls
Claudia Nehls ist Tierheilpraktikerin aus Überzeugung. Sie heilte einst ihr eigenes, von Tierärzten aufgegebenes Pferd mit homöopathischen Mitteln. Begeistert absolvierte sie daraufhin gleich zwei Studiengänge der Tierheilkunde: Ein Direkt- und p ...
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