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1 Normale vs vergroesserte Schilddruese

Eine der häufigsten Erkrankungen bei Katzen höheren Alters

Die feline Schilddrüsenüberfunktion (medizinisch: Hyperthyreose) ist eine Störung der Schilddrüsenhormonproduktion bei Katzen mittleren und hohen Alters. Erstmals beschrieben wurde die Erkrankung vor etwa 30 Jahren und zählt damit zu den noch jungen Katzenerkrankungen, allerdings mit steigender Tendenz. Betrachtet man die Krankheitsfälle der letzten Jahre, lässt sich ein dramatischer Anstieg verzeichnen, sodass die Hyperthyreose heute neben der Niereninsuffizienz zu den häufigsten Erkrankungen bei Katzen höheren Alters zählt.

Was versteht man unter einer Schilddrüsenüberfunktion?

Die Schilddrüse produziert in ihren Zellen die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin). Das Spurenelement Jod stellt dabei den wesentlichen Bestandteil für die Bildung dieser Schilddrüsenhormone dar, die wiederum maßgeblich an den Stoffwechselvorgängen des Körpers beteiligt sind. Liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor, produziert die Schilddrüse vermehrt Hormone, sodass es zu einer massiven Zellvermehrung innerhalb der Schilddrüse kommt und gleichzeitig der Stoffwechsel deutlich beschleunigt wird. Die Katze verbraucht vermehrt Energie, fängt dadurch an mehr zu fressen, nimmt aber gleichzeitig immer mehr ab.

Was sind die Ursachen und welche Katzen gehören zur Risikogruppe?

Oftmals ist es ein gutartiger Tumor (Schilddrüsenadenom), der eine Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze auslöst. Bösartige Tumore sind selten. Forschergruppen diskutieren aber auch seit Langem verschiedene andere Ursachen, darunter auch diätetische. Es hat sich gezeigt, dass bestimmte Fütterungsarten, wie etwa eine reine Dosenfutterernährung, das Erkrankungsrisiko erhöhen. So zeigten Katzen, die überwiegend mit Nassfutterdosen ernährt wurden, ein 2,5- bis 5-fach höheres Risiko für die Entwicklung einer Schilddrüsenüberfunktion als Katzen, die ausschließlich mit Trockenfutter ernährt wurden. Auch Katzen, die im Welpenalter mit Menschen-Babynahrung gefüttert wurden und Katzen, die bestimmte Geschmacksrichtungen im Nassfutter bevorzugen wie Fisch, Leber und Gänseklein, können als Risikogruppe eingestuft werden. Inwieweit die Schilddrüsenüberfunktion der Katze mit einem Jodmangel wie beim Menschen in Zusammenhang gebracht werden kann, bleibt fragwürdig, wird aber in Forscherkreisen nach wie vor diskutiert.

Bekommt die Katze einen Kropf?

Im Unterschied zum Menschen ist die Schilddrüsenüberfunktion der Katze ein funktioneller Prozess, der nicht unbedingt mit einer Schilddrüsenvergrößerung und damit einer Kropfbildung (medizinisch: Struma) verbunden ist. Deshalb ist es dem Tierarzt meist auch nicht möglich, die Diagnose mittels Tastbefund zu stellen. Betroffen von den Veränderungen innerhalb der Schilddrüse sind in drei Viertel der Fälle beide Schilddrüsenlappen. Das klinische Bild ist vielschichtig. Betroffen sind in der Regel Katzen über 10 Jahren. Die Tiere zeigen typischerweise Abmagerung trotz guter Futteraufnahme und ein struppiges Fell. Gleichzeitig kann sich Ruhelosigkeit, vermehrtes Trinken und vermehrter Urinabsatz, Herzrasen, Kurzatmigkeit bis hin zum Hecheln, gesteigerter Kotabsatz, Erbrechen und vieles mehr zeigen. Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion zeigen außerdem eine erhöhte Stressanfälligkeit, sodass sie auch oftmals einen erhöhten Blutdruck aufweisen.

Woran erkennt man eine Schilddrüsenüberfunktion der Katze?

Tierbesitzer stellen an ihren Katzen zunächst einen Gewichtsverlust trotz guten Appetits fest. Die Diagnose wird dann durch den Tierarzt mittels einer Blutuntersuchung gestellt. Entscheidend ist hierbei der Wert des Schilddrüsenhormons T4 (Thyroxin), da der Gesamt-T4-Wert die autonome Produktion von Schilddrüsenhormonen in der Schilddrüse wiedergibt. Ein weiteres, sehr gutes Diagnostikverfahren ist die Schilddrüsenszintigraphie. Hierbei wird der Katze ein radioaktives Präparat gespritzt und kurze Zeit später die Anreicherung des Präparates in der Schilddrüse mittels Gammakamera gemessen. Die Methode ist einfach, allerdings aufwendig in der Durchführung und es gibt nur wenige Einrichtungen in Deutschland, in denen eine derartige Diagnostik durchgeführt werden kann.

Was kann man tun?

Liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor, erfolgt die Behandlung in der Regel mittels Medikamentengabe. Eine operative Entfernung der Schilddrüse bzw. einzelner Schilddrüsenanteile oder eine Radiojodbestrahlung werden selten durchgeführt, da nur sehr selten eine bösartige Tumorerkrankung als Ursache zugrunde liegt.

Die medikamentöse Therapie zielt darauf ab, die normalen Schilddrüsenwerte im Blut wieder herzustellen. Bislang war dazu in Deutschland nur der Wirkstoff Thiamazol zugelassen, der zur Erreichung einer optimalen Wirkung zweimal täglich in Tablettenform verabreicht werden musste. Neuerdings ist auch der Wirkstoff Carbimazol zugelassen. Vorteile von Carbimazol gegenüber Thiamazol sind zum einen seine gute Akzeptanz bei Katzen durch den neutralen Geschmack (Thiamazol hingegen ist bitter), zum anderen die längere Halbwertszeit und seine kontinuierliche Freisetzung über 24 Stunden. Dadurch reicht eine einmalige Tablettengabe pro Tag aus, um die Schilddrüsenhormonsynthese zu hemmen. Das erspart der Katze einerseits den Stress der Tablettenapplikation und führt andererseits aber auch zu einer schnellen Normalisierung der klinischen Symptome. Um die Symptome dauerhaft zu eliminieren, ist es wichtig, die Katze lebenslang zu therapieren. So bleibt ihr Gesundheitszustand stabil und die Lebensqualität erhalten.

2  glückliche Katze normale Schilddrüse

 

Weitere Informationen zur Schilddrüsenüberfunktion der Katze finden Sie unter

www.msd-tiergesundheit.de/Hyperthyreose

 

Text und Fotos:

www.msd-tiergesundheit.de